Der Verteidiger des mutmaßlichen NS-Kriegsverbrechers John Demjanjuk hat eine Aussetzung des vor dem Landgericht München II laufenden Verfahrens gegen den 89-Jährigen auf unbestimmte Zeit gefordert. Rechtsanwalt Ulrich Busch begründete dies damit, dass von der Staatsanwaltschaft eingesehene Akten aus den USA, Israel, Polen und mehreren anderen Ländern der Verteidigung bisher nicht zugänglich seien, wie eine Gerichtssprecherin sagte.
Außerdem forderte Busch, die Nebenkläger vom Prozess auszuschließen, da Demjanjuk nicht Täter, sondern Opfer sei. Das Gericht ließ die Anträge vorerst unbeantwortet und setzte die Beweisaufnahme mit einem Gutachter fort.
Der seit Beginn des Prozesses Ende November abwesend wirkende Demjanjuk ließ sich zunächst in einem Rollstuhl in den Gerichtssaal bringen, bald darauf ließ er sich aber auf ein Krankenbett legen. Er selbst äußerte sich weiter nicht zu den Vorwürfen gegen sich.
Der Münchner Historiker Dieter Pohl referierte am ersten Verhandlungstag im neuen Jahr über das Vernichtungssystem der Nazis und die Rolle der als KZ-Wächter eingesetzten sowjetischen Kriegsgefangenen, den sogenannten Trawniki. Als solch ein Trawniki soll Demjanjuk 1943 im NS-Vernichtungslager Sobibor Juden in die Gaskammern getrieben haben. Während seiner halbjährigen Tätigkeit in Sobibor soll Demjanjuk an der Ermordung von 27.900 Juden beteiligt gewesen sein, weshalb er wegen Beihilfe zum Mord in 27.900 Fällen angeklagt ist.
12. Januar 2010 - 13.44 Uhr
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