Im Mannesmann-Prozess haben am Donnerstag die Verteidiger mit ihren Plädoyers begonnen. Der Anwalt von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wies die Untreue-Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurück und richtete scharfe Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft. Die Ankläger hätten in der sechsmonatigen Hauptverhandlung Zeugenaussagen den Beweiswert abgesprochen und Urkunden uminterpretiert, sagte Ackermann-Verteidiger Eberhard Kempf. "Auf solche ausgedachten Geschichten können Urteile nicht gestützt werden."
Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen vergangene Woche Haftstrafen gefordert, darunter eine zweijährige Bewährungsstrafe für Ackermann und zweieinhalb Jahre Haft ohne Bewährung für für Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser. Die Verteidiger-Plädoyers sollen am Mittwoch kommender Woche abgeschlossen werden; mit dem Urteil wäre dann am 21. oder 22. Juli zu rechnen.
Kempf wies zugleich darauf hin, dass die These der Käuflickeit von Ex-Mannesmann-Chef Esser wegen der Zahlung einer millionschweren Anerkennungsprämie im Zuge der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone widerlegt sei. Dennoch habe die Staatsnwaltschaft diese "totgeborene These" in dem Prozess wiederholt zu reanimieren versucht, sagte der Anwalt. In dem Prozess sind für die Plädoyers der Verteidiger der insgesamt sechs Angeklagten zwei Verhandlungstage angesetzt. Die Rechtsbeistände des ehemaligen Konzernchefs Esser werden erst in der kommenden Woche zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Stellung nehmen.
8. Juli 2004 - 09.49 Uhr
© AFP Agence France-Presse GmbH 2004
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