Verschuldensformen im Arbeitsrecht

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Arbeitsrecht Rubrik, Verschulden, Schadenersatz, Haftungsbegrenzung, Arbeitsrecht

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Wann muss ein Arbeitnehmer Schäden ersetzen?

Sie müssen nicht jeden Schaden, den Sie verursacht haben, ersetzen. Eine generelle Haftung von Ihnen als Arbeitnehmer würde dazu führen, dass Sie für jedes noch so kleine Versehen in Regress genommen werden könnten. Eine Konsequenz daraus wäre u.U., dass Sie nicht mehr sinnvoll Ihrer Arbeit nachgehen könnten, da Sie ständig fürchten müssten, einen Fehler zu machen und diesen bezahlen zu müssen. Die Intension der Schadensregulierung im Arbeitsrecht geht vielmehr dahin, dass von Ihnen lediglich Schäden ersetzt werden sollen, die nicht nur auf einem kleinen Versehen beruhen. Ob Sie sich als Arbeitnehmer auf die Haftungsbegrenzung berufen können, beurteilt sich grundlegend daran, wie hoch Ihr Verschulden bei der Verursachung des Schadens war. Welche unterschiedlichen Verschuldensformen es gibt und wann Sie eine Pflicht zum Schadenersatz trifft, soll im Folgenden dargestellt werden.

Die Verschuldensformen im Arbeitsrecht werden in drei Blöcke aufgeteilt.

  1. leichte Fahrlässigkeit: Hierunter versteht man einen Sorgfaltsverstoß, der auch einem vorsichtigen Menschen unterlaufen kann.

  2. mittlere Fahrlässigkeit: Hierbei werden Regeln missachtet oder Routinehandlungen unterlassen, die nach allgemeiner Lebenserfahrung nicht zwangsläufig zu Schäden führen müssen.

  3. Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit: Vorsätzlich handelt derjenige, der den Schaden gerade verursachen will. Von grober Fahrlässigkeit spricht man dann, wenn die im Verkehr erforderliche Sorgfalt in ungewöhnlich hohem Maße verletzt wird.

Die Haftung, die Sie als Arbeitnehmer bei einem Schaden treffen kann, richtet sich danach, in welche der drei Kategorien Ihr Verschulden einzuordnen ist.

  • Bei leichter Fahrlässigkeit trifft Sie keine Pflicht, Schadenersatz zu leisten. Da Menschen nicht immer fehlerfrei arbeiten können und ihnen kleine alltägliche Missgeschicke unterlaufen, wird es als unbillig angesehen, für diese Pannen von Ihnen als Arbeitnehmer einen Schadensausgleich zu verlangen.

  • Wenn Sie hingegen den Schaden durch ein Verhalten herbeigeführt haben, dass sich als mittlere Fahrlässigkeit erweist, dann wird die Haftung grundsätzlich zwischen Ihnen und dem Arbeitnehmer aufgeteilt. D.h., Sie müssen einen Teil des Schadens bezahlen. Wie hoch dieser Anteil ist, bemisst sich grundsätzlich nach der konkreten Verursachung, ihrem Lohn und ob nicht der Arbeitgeber diesen Schaden in einem vernünftigen Umfang durch Versicherungen abdecken kann. Die Unterscheidung zwischen leichter und mittlerer Fahrlässigkeit ist nicht immer leicht nachvollziehbar, da es keine starre Grenze gibt. Dies hat zur Folge, dass hierfür keine eindeutige und allgemeingültige Abgrenzungsformel aufgezeigt werden kann. Entscheidend für die Einordnung sind immer die Umstände des Einzelfalles. Mittlere Fahrlässigkeit und damit ein Ersatzanspruch wird aber eher dann anzunehmen sein, wenn Sie geahnt haben oder sich vorstellen konnten, dass Ihr Verhalten einen Schaden auslösen könnte.

  • Liegt Ihr Verschulden hingegen bereits im Bereich des Vorsatzes oder der groben Fahrlässigkeit, so müssen Sie den Schaden ganz bezahlen. Hierbei wird die Haftung des Arbeitgebers verneint, da Sie den Unfall unter Ausschluss jeglicher Sorgfalt herbeigeführt haben. Eine Ausnahme kann bei grober Fahrlässigkeit nur dann gemacht werden, wenn Ihr Lohn im krassen Missverhältnis zum verursachten Schaden steht, dieser vom Arbeitgeber einkalkulierbar und durch Versicherungen abdeckbar ist. In diesem Fall kann auf eine Aufteilung des Schadens zurückgegriffen werden. Liegt hingegen eine vorsätzliche Verursachung vor, so ist die Möglichkeit der anteiligen Haftung immer ausgeschlossen.

Ihr Arbeitgeber kann also u.U. von Ihnen eine anteilige oder sogar volle Vergütung für den verursachten Schaden verlangen. Nur dann, wenn der Schaden von Ihnen leicht fahrlässig verursacht wurde, sind Sie von der Haftung befreit.

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Seite  1:  Verschuldensformen im Arbeitsrecht
Seite  2:  Wann muss ein Arbeitnehmer Schäden ersetzen?
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Seite  4:  Wann kann man sich auf die Haftungsbegrenzung berufen?
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