Der im Oktober über die Grenze verschleppte deutsche Arzt Dieter K. muss in Frankreich in Haft bleiben. Das Pariser Berufungsgericht lehnte einen erneuten Freilassungsantrag des 75-Jährigen ab, wie Justizbeamte am Dienstag mitteilten. Der Kardiologe aus Bayern steht im Verdacht, seine Stieftochter Kalinka 1982 durch eine Spritze getötet zu haben. Während die deutsche Justiz das Verfahren gegen den Mediziner 1987 mangels Beweisen einstellte, verurteilte ein französisches Gericht ihn 1995 in Abwesenheit zu 15 Jahren Gefängnis. Deutschland lieferte den Arzt aber nicht aus, weshalb Kalinkas leiblicher Vater im vergangenen Herbst zur Selbstjustiz griff: André Bamberski ließ den Deutschen in einer Nacht-und-Nebelaktion am Bodensee entführen und vor einem französischen Gericht ablegen.
K. bestreitet, am Tod der damals 14-jährigen Kalinka schuld zu sein. Deren Vater wirft ihm vor, das Mädchen vergewaltigt und getötet zu haben. K. verlor seine Zulassung als Arzt in Deutschland 1997 wegen sexuellen Missbrauchs in einem anderen Fall: Das Landgericht Kempten befand ihn seinerzeit für schuldig, eine 16-jährige Patientin unter Narkose vergewaltigt zu haben. Der Mediziner bekam dafür zwei Jahre auf Bewährung und übte seinen Beruf illegal weiter aus. Im Fall Kalinka droht ihm nun ein neues Verfahren.
27. Juli 2010 - 16.24 Uhr
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