Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen im Libanon
AFP VOM 18.1.2011 | Nachrichten - Allgemein | 631 Aufrufe Mehr zum Thema:Libanon, Proteste
Proteste wegen Streit um UN-Ermittlungen befürchtet
Aus Angst vor gewalttätigen Protesten im Zuge der Regierungskrise im Libanon sind in der Hauptstadt Beirut das Sicherheitsaufgebot verstärkt und mehrere Schulen geschlossen worden. Die Präsenz der Armee wurde an mehreren Orten in Beirut verstärkt, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichten. Es handele sich um "Maßnahmen, um die Bürger zu beruhigen", sagte ein Armeesprecher.
Mehrere Schulen forderten die Eltern der Schüler auf, ihre Kinder vorzeitig abzuholen. Sie reagierten damit darauf, dass sich am frühen Morgen zwischenzeitlich hunderte Jugendliche in von der Schiitenbewegung Hisbollah dominierten Vierteln im Westen von Beirut versammelt hatten. Die Schulleitungen befürchten offenbar, dass sich die Jugendlichen zu Protestmärschen formieren und gewaltsame Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften liefern könnten. Die Jugendlichen waren aber nicht bewaffnet, sagte ein Vertreter der Sicherheitsbehörden.
Im Libanon ist die Lage gespannt, seit die Hisbollah und deren Verbündete vorige Woche ihre Minister aus der Regierung der nationalen Einheit abzogen. Die Regierung von Ministerpräsidenten Saad Hariri war daraufhin zusammengebrochen, derzeit wird unter internationaler Vermittlung nach einem Ausweg aus der Krise gesucht. Auslöser für die Krise war die bevorstehende Veröffentlichung der Anklageschrift des UN-Tribunals, das die Ermordung des früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri, dem Vater des noch amtierenden Regierungschefs, untersucht hatte. Berichten zufolge sollen wegen des Mordes im Jahre 2005 führende Hisbollah-Mitglieder angeklagt werden. Die Hisbollah hatte am Sonntag erklärt, sie werde sich gegen die Vorwürfe "verteidigen".
Der Ankläger des UN-Tribunals, Daniel Bellemare, hatte die Anklageschrift am Montag dem zuständigen Richter zur Prüfung vorgelegt, der Inhalt wird vertraulich behandelt. Bellemare erklärte, er könne die Anklage erst öffentlich machen, wenn der Richter sie bestätige. "Jede Spekulation über den Inhalt der Klageschrift wäre kontra-produktiv", sagte Bellemare in einem von dem UN-Tribunal verbreiteten Video-Botschaft. Die Klageschrift sei "der erste Schritt in unserem gemeinsamen Bemühen, die Straflosigkeit im Libanon zu beenden". Bellemare dankte seinen Mitarbeitern für ihre Arbeit unter "herausfordernden Umständen", darunter "viele Angriffe auf das Tribunal".
18.01.2011 - 15:01 Uhr


