
Wegen des Vorwurfs irreführender Werbung für Käfigeier hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in einem Musterverfahren den Handelskonzern Rewe und die Landkost-Eierzeugergemeinschaft verklagt. Die Werbung mit "ländlicher Idylle" sei eine systematische Täuschung der Verbraucher, begründeten die Verbraucherschützer diesen Schritt am Dienstag in Berlin. Gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund (DTSchB) und der Umweltstiftung Euronatur startete der vzbv eine gemeinsame Kampagne gegen "eine massive Verschleierung der Produktionsmethoden".
Viele Unternehmen zeigten auf ihren Verpackungen Hühner im Stroh oder glückliche Kühe auf saftigen Weiden, obwohl dies mit der Realität häufig wenig zu tun habe, kritisierten die drei Organisationen. Faktisch entsprächen die meisten der so umworbenen Produkte häufig nur den gesetzlichen Minimalstandards, bei denen in Sachen Tier- und Umweltschutz "klare Defizite" bestünden. Dagegen seien Verbraucher Umfragen zufolge zunehmend bereit, beim Lebensmittelkauf Tier- und Umweltschutz zu berücksichtigen und dafür auch höhere Preise zu bezahlen.
Der vzbv, der DTSchB und Euronatur forderten daher umfassende Reformen für mehr Transparenz. Sie verlangten unter anderem vollständige und verbesserte Produktions-Informationen, die Einführung eines Verbraucherinformations-Gesetzes und eine Reform des Wettbewerbsrechts mit härteren Sanktionen bei irreführender Werbung. "Von dem politischen Ziel Transparenz vom Stall bis zur Ladentheke sind wir auch ein Jahr nach dem ersten BSE-Fall noch meilenweit entfernt", erklärte vzbv-Vorstand Edda Müller.
30. Oktober 2001
