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Verbot der Prostitution in den Niederlanden abgeschafft
Seite 1 - del vom 02.10.2000

Verbot der Prostitution in den Niederlanden abgeschafft

Niederländische Beamte in den Arbeitsämtern müssen sich zukünftig auf pikante Stellengesuche gefasst machen, die Berufswelt dort hat nämlich Zuwachs bekommen. Nach einem Alleingang in der Drogenpolitik machen die Niederlande jetzt als erstes Land der Welt Bordelle gesellschaftsfähig. Seit Anfang Oktober 2000 sind Freudenhäuser und Prostitution nicht mehr illegal - das älteste " Gewerbe " der Welt bekommt damit zum ersten Mal in der Geschichte die gesellschaftliche und politische Anerkennung, die es verdient.

Das neue Gesetz ändert zunächst nicht viel, denn Prostitution wird in den Niederlanden schon seit Jahren geduldet. Viele Bordelle zahlen auch bereits Steuern. Es handelt sich vielmehr um ein Zeichen: der Beruf einer Prostituierten ist nicht länger verpönt, sondern als Beruf anerkannt. Zukünftig soll das Gesetz die Zwangsprostitution verhindern helfen: mit der Befreiung aus der Illegalität hoffen die Verantwortlichen des Gesetzes, nach und nach die im Milieu gängigen skrupellosen Handhabungen ausmerzen zu können. Insbesondere Ausbeutung und Arbeiten ohne Aufenthaltsgenehmigung stehen dabei im Mittelpunkt.
Neben der Beachtung von Hygienevorschriften gilt jetzt das Arbeitsrecht, und neben der Entrichtung von Steuern können Prostituierte sich nun problemlos versichern lassen.

Das älteste Gewerbe der Welt führte lange Zeit ein Schattendasein, es war ähnlich wie bei MC Donald´s: keiner fand es gut, aber viele gingen hin. Vielleicht beginnen bald auch die Zeiten, in denen getarnte Herren in Hintergassen nicht mehr unerkannt in Häuser schleichen müssen oder Prostituierte offen über ihr Gewerbe reden können.
In Deutschland jedoch ist an eine derart liberale Handhabung nicht zu denken. Die Sittenwidrigkeit eines Vertrages zwischen "Dirne" und "Freier" über entgeltlichen Geschlechtsverkehr entspricht nach wie vor allgemeiner Ansicht der Rechtsprechung. Der Intimbereich würde in entwürdigender Weise zur Ware gemacht, so der Bundesgerichtshof. Ein Wertewandel bei unseren Sittenwächtern ist nicht in Sicht. Der Verstoß gegen die guten Sitten verhindert eine gesellschaftliche Anerkennung - Prostitution als Beruf ist hierzulande zur Zeit undenkbar.

Sicherlich wird das neue Gesetz in den Niederlanden und überall auf der Welt Diskussionen hervorrufen. Was ist mit der Moral, wird man sich fragen. Sex als Dienstleistung, wo gibt´s denn sowas? Dabei ist es im Jahre 2000 endlich mal Zeit, vorgegebene Verhaltensmuster und Werte zu hinterfragen. Die neue Zeit der Aufklärung. Respekt vor den niederländischen Gesetzgebern, die die Schattenwelt der ältesten Dienstleistung ins rechte Licht rücken wollen. Nicht zum ersten Mal überrascht uns unser Nachbarland mit liberalen "Sensationen". Die Gesellschaft im Wandel, und in den Niederlanden fängt alles an.



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Olaf Kretzschmar, Kiel
beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Markenrecht, Urheberrecht, Presserecht und hat Interessensschwerpunkte: Wettbewerbsrecht, Sportrecht.
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