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Urteil zu spektakulären Kunstdiebstählen - 1/4
AFP vom 07.01.2005   |   7863 Aufrufe   |   Rubrik: Nachrichten - International

Straßburger Gericht verurteilt Museumsplünderer zu drei Jahren Haft

- Mildernde Umstände für Mutter und Ex-Freundin

Im Straßburger Kunstraubprozess ist der notorische Museumsplünderer Stéphane Breitwieser am Freitagabend in Straßburg zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Davon wurden zehn Monate auf Bewährung ausgesetzt. Seine Mutter, die zahlreiche Kunstschätze von unermesslichem Wert zerstört hatte, erhielt ebenfalls eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, davon die Hälfte auf Bewährung. Die wegen Hehlerei angeklagte Ex-Freundin des Kunst-Kleptomanen wurde zu 18 Monaten Haft mit einem Jahr Bewährung verurteilt. Breitwieser nahm das Urteil sichtlich erschüttert auf.

Der von Gutachtern als narzisstisch, verwöhnt und eingebildet beschriebene Elsässer hatte von 1994 bis 2001 bei Raubzügen durch Museen, Kirchen, Schlösser und Versteigerungshallen in sieben europäischen Ländern an die 240 Kunstwerke von unschätzbarem Wert erbeutet. Da die meisten Taten verjährt sind und der notorische Kunstdieb bereits in der Schweiz wegen dort gestohlener Exponate zu vier Jahren Haft verurteilt worden war, musste er sich in Straßburg nur wegen 20 Fällen in Frankreich sowie drei Diebstählen verantworten, die er in Kopenhagen und Innsbruck verübt hatte.

Die Mutter hatte nach Breitwiesers Festnahme in der Schweiz Ende 2001 einen Teil der Sammlung in einen Kanal bei Straßburg geworfen - antike Uhren, Waffen und Musikinstrumente, wertvolles Meissner-Porzellan und Statuen. Rund 120 Exponate wurden wiedergefunden. Den Rest der Sammlung, darunter wertvolle Gemälde Alter Meister, vernichtete sie nach eigenen Angaben mit Hammer und Cutter und warf sie in den Müll. Sie wollte ihren Sohn für alles bestrafen, was er ihr angetan habe, sagte die 53-Jährige, die wiederholt in Tränen ausbrach.




Der Verbleib zahlreicher Kunstwerke bleibt auch nach dem Prozess im Dunkeln. Es sei nicht auszuschließen, dass Breitwieser doch Werke verkauft habe, meinte ein Kunstexperte des Pariser Innenministeriums. Zur Sprache kamen auch hohe Beträge auf dem Konto des Elsässers, der zuletzt als Kellner in der Schweiz gearbeitet hatte. Der Anwalt der Mutter übte heftige Kritik an den Ermittlungen, die voller Lücken und Versäumnisse gewesen seien. So sei fraglich, ob der Kunst-Kleptomane tatsächlich an die 240 Objekte in seinem Zimmer horten konnte. An den Wänden seines Zimmers bei seiner Mutter nahe der elsässischen Stadt Mülhausen seien keine Spuren der rund 50 Gemälde entdeckt worden, die er angeblich aufgehängt hatte.

Die Staatsanwältin hatte wegen des "kolossalen Schadens" für die Kunstwelt für den Dieb die Höchststrafe von drei Jahren beantragt. Breitwieser, der sich als kunstvernarrter "Gentleman-Dieb" gebe, habe vor allem aus egoistischen Motiven gehandelt. Aus Habgier habe er mit dazu beigetragen, dass seine Mutter in einer "verheerenden Zerstörungsaktion" Kunstwerke für immer vernichtet habe. Experten hätten von einem Verlust in Millionen- oder gar Milliardenhöhe gesprochen.

Zu den Gemälden, die die Mutter nach der Verhaftung ihres Sohnes offenbar auf den Müll geworfen hatte, gehörten Werke von Albrecht Dürer, Pieter Brueghel, François Boucher und Antoine Watteau. Auch vom Porträt "Sibylle von Cleve" des deutschen Meisters Lucas Cranach der Jüngere (1515-1586), das der Dieb im Oktober 1995 bei einer Versteigerung in Baden-Baden gestohlen hatte, fehlt jede Spur.

7. Januar 2005 - 21.51 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2005

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