Ursachen von Waldbränden bleiben meist unbekannt
AFP VOM 28.8.2007 | Nachrichten - Europarecht | 1940 Aufrufe Mehr zum Thema:Waldbrand, Feuer, Brandstiftung
Zahl der Brände macht Ermittlungen in allen Fällen unmöglich
Tausende Feuer vernichten in diesem Sommer wieder riesige Waldflächen in den Mittelmeerländern - doch auch dieses Jahr werden nur in den wenigsten Fällen wieder die Ursachen der Brände ermittelt werden. Die schiere Zahl der Brandherde macht es den Behörden unmöglich, in jedem Einzelfall den Ursprung der Flammen zu untersuchen. "Wir können leider nicht immer herausfinden, ob ein Brand einen kriminellen Ursprung hat oder versehentlich entstanden ist", sagt Pascal Guinot, Staatsanwalt im südfranzösischen Aix-en-Provence, dessen Umgebung jedes Jahr von einer Vielzahl von Feuern heimgesucht wird.
Zahlen über die Ursachen der Waldbrände sind schwer zu erhalten. Im französischen Département Var, in dem der Wald 2006 an rund 800 Stellen brannte, werden in fünf bis zehn Prozent der Fälle Ermittlungen über den Ursprung eingeleitet. In vielen Fällen gingen die Feuer auf Unachtsamkeit zurück, sagt Staatsanwalt Michel Raffin. In Portugal, wo vor zwei Jahren 220.000 Hektar Wald zerstört wurden und 15 Menschen ums Leben kamen, führten die offiziellen Statistiken ein Fünftel der Brände auf kriminelle Brandstiftung zurück.
Doch selbst, wenn der kriminelle Hintergrund eines Waldbrandes eindeutig ist, führen die Ermittlungen oft nicht weit: Wer der tatsächliche Urheber eines Feuers ist, lässt sich nur selten herausfinden. Der Chef des italienischen Zivilschutzes, Guido Bertolaso, bedauert, dass nur "sehr, sehr wenige" Brandstifter festgenommen würden und sieht hinter vielen Feuern die Mafia. Tatsächlich wurden in Italien in diesem Jahr bislang nur zwei Verdächtige im Zusammenhang mit Waldbränden festgenommen: Zwei Schäfer, die für ein Feuer auf Sizilien verantwortlich sein sollen, in dem vier Menschen ums Leben kamen. In Spanien, wo zwei Großfeuer auf den Kanarischen Inseln in diesem Sommer auf kriminelles Handeln zurückgeführt wurden, fasste die Polizei keinen einzigen Verdächtigen.
In Griechenland dagegen wurden in diesem Sommer bereits 33 Menschen wegen Brandstiftung festgenommen - 15 von ihnen sollen Feuer in krimineller Absicht gelegt haben, 18 aus Versehen. Die Regierung in Athen hat zudem vor einigen Tagen die Belohnung für Hinweise auf die Täter deutlich erhöht: Bis zu eine Million Euro gibt es für Hinweise auf Brandstifter. Zudem prüft die Justiz, ob das Legen von Feuern unter die Anti-Terror-Gesetzgebung fällt.
In Kroatien wiederum, wo dieses Jahr 26 Menschen der vorsätzlichen Brandstiftung beschuldigt wurden, sollen die Strafen um das Hundertfache erhöht werden: Bislang sind umgerechnet bis zu 1370 Euro fällig, in Zukunft sollen es bis zu 137.000 Euro sein.
28. August 2007 - 14.11 Uhr
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