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Und Gott schuf... Ja was eigentlich?
Seite 1 - jtm vom 05.05.2004

Und Gott schuf... Ja was eigentlich?

Schöpfungsgeschichte und Evolutionstheorie – die ewige Diskussion

Endlich Entwarnung für die Aufklärung und Wissenschaft. Die Evolutionstheorie bleibt den italienischen Schülern erhalten. Damit gab Italiens Bildungsministerium dem Drängen zahlreicher Proteste aus Bevölkerung und Wissenschaft nach. Zuvor hatte das Ministerium die Evolutionstheorie im Zuge eines Sparkurses aus dem Lehrplan gekippt. In der ebenso offiziellen wie scheinheiligen Begründung hieß es, die Materie wäre für die Kinder zu komplex. Doch nun, da sich die Brisanz dieser Maßnahme herausgestellt hat, will man davon nichts mehr wissen. „Die Diskussion der darwinistischen Theorien ist für alle Kinder von sechs bis achtzehn Jahren garantiert“, glättete die italienische Bildungsministerin Letizia Moratti jetzt eilig die Wogen.

Während ein Versuch, Dawins Theorie aus dem Lehrplan zu kicken, in Europa entrüstetes Aufbegehren nach sich zieht, würde er in den gottesfürchtigen Vereinigten Staaten Begeisterungsstürme hervorrufen. Dort haben die so genannten Kreationisten, jene religiösen Eiferer, die Darwins Lehren eine klare Absage erteilen und fest auf die biblische Schöpfungsgeschichte vertrauen, noch ihren Fuß in der Tür des Bildungssystems.

In den zwanziger Jahren wurde es in 31 Staaten der USA gänzlich verboten, die Evolutionstheorie an den Schulen zu lehren. Das wurde schrittweise liberalisiert, dennoch gibt es überhaupt erst seit 1968 eine durch den Supreme Court erlassene bundesweite gesetzliche Bestimmung, dass die Evolutionstheorie im Unterricht thematisiert wird. Dennoch sind Tür und Tor für religiös motivierte Alleingänge einzelner Staaten offen. Besonders in Bundesstaaten im Bible Belt, dem ländlich dominierten südlichen Mittelwesten, haben die Kreationisten die albernsten Sonderregelungen durchgesetzt, um ihre „Wahrheit“ in den Lehrplan zu integrieren.

Im Bundesstaat Kansas werden sowohl die Evolutionstheorie als auch der Kreationismus gleichberechtigt an den Schulen gelehrt. Darwins Lehren dürfen jedoch weder geprüft, noch in den Prüfungen auch nur erwähnt werden. In Alabama tragen die Schulbücher Warnhinweise, ähnlich wie in Deutschland die Zigarettenschachteln, die besagen, dass die Evolutionstheorie nicht als Fakt verstanden werden dürfe. Auch in anderen Bundesstaaten müssen Lehrer vor dem Unterricht entsprechende Hinweise verlesen, wenn das Thema Evolution angeschnitten wird.

Um ihre Ansichten salonfähig zu machen, haben die Kreationisten den Glauben an die Schöpfungsgeschichte zur Wissenschaft erhoben, verpassten ihm die Bezeichnung „creation science“ und gründeten das Institute for Creation Research (ICR), um ihre Interessen organisiert zu vertreten. Die Kreationisten führen in den USA einen bedingungslosen Glaubenskrieg. So werden Kritiker schnell als gottlos gebrandmarkt und mit Klagen ist man schnell bei der Hand. Anfang der neunziger Jahre wurde die kalifornische Schulbehörde um mehr als 200.000 Dollar verklagt, weil sie der „creation science“ die Wissenschaftlichkeit abgesprochen hatte.

Die Kreationisten sind der festen Ansicht, dass sich die Enstehung der menschlichen Zivilisation nicht in einer Milliarden Jahre währenden Entwicklung zugetragen hat, sondern haargenau so, wie es in der Genesis, dem ersten Buch des Alten Testaments, geschildert ist. Wenn man der Schöpfungsgeschichte der Genesis Glauben schenken darf, schuf Gott in den ersten fünf Tagen so dieses und jenes, ehe ihm am sechsten der Mensch passierte. Die Evolutionstheorie allerdings gibt eine völlig andere Sichtweise der Dinge wieder. Ein bisschen Urschlamm, ein paar Aminosäureketten, das ganze dann ein paar Milliarden Jahre vor sich hin mutieren lassen, fertig ist der Mensch.

Klingt komisch, ist aber so, denn schließlich ist Darwins Lehre, obwohl Theorie, deutlicher besser belegt als die Story vom allmächtigen Workaholic, die von den Kreationisten, zu denen auch US-Präsident Bush zählt, unkritisch für bare Münze genommen wird. Selbst renommierte – amerikanische - Wissenschaftler hängen dieser Glaubenslehre an und beweisen dabei ein erstaunliches Potential, was die Verdrängung von Fakten angeht. Die Überreste von primitiven Frühmenschen? Dafür finden sich Erklärungen, die nicht anders als abwegig erscheinen: Neandertaler hätten sich in der postsintflutlichen Zeit an veränderte Bedingungen angepasst.

Man will nicht akzeptieren, dass die Entwicklung des Lebens sehr wahrscheinlich nur ein ko(s)mischer Unfall war und nicht durch eine übergeordnete Macht gelenkt wurde. Hardliner unter den Kreationisten sind sich sogar sicher, dass die Erde doch eine Scheibe sei...

Die Kreationisten fassen sich selbst als Missionare für Moral und Anstand auf. So sagt der ICR-Aktivist Tom Willis: „Seit 1968 ist die Evolutionstheorie in die amerikanischen Schulbücher aufgenommen worden, per Entscheidung des Supreme Court. Und nun sehen Sie sich an, wie sich die Statistiken seither entwickelt haben: Kriminalität, Drogenmissbrauch, Abtreibungen, Scheidungen - alles geht steil nach oben. Und die traditionellen Familien-Werte erleben einen unaufhaltsamen Niedergang. Der Zusammenhang liegt doch auf der Hand, oder?“

Diese Diskussion, so haltlos sie eigentlich sein mag, mündet jedoch direkt in jene Frage, mit der sich die Menschheit seit ihrer Entstehung befasst hat: Gibt es einen Gott? Wenn ja, kann er fünf Euro wechseln?



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