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Unbekannte Firma ersteigert Yukos-Tochter - 1/4
AFP vom 19.12.2004   |   9989 Aufrufe   |   Rubrik: Nachrichten - International

Unbekannte Firma ersteigert Yukos-Tochter

- Baikalfinansgroup gewinnt Bieterrennen gegen Gasprom

Eine bislang völlig unbekannte Firma hat am Sonntag das Tochterunternehmen des russischen Ölkonzerns Yukos ersteigert. Die Firma Baikalfinansgroup, die sich erst am Freitag für die umstrittene Zwangsversteigerung in Moskau hatte registrieren lassen, bekam für umgerechnet 7,03 Milliarden Euro den Zuschlag für die Yukos-Tochter Yuganskneftegas. Analysten vermuteten hinter der Firma den staatlich gelenkten Erdgasgiganten Gasprom. Die Versteigerung fand statt, obwohl ein Konkursgericht im texanischen Houston noch am Samstagabend eine Verfügung zum Aufschub der Zwangsmaßnahme bestätigt hatte. Yukos-Mehrheitsaktionär Menatep kündigte rechtliche Schritte gegen den Käufer von Yuganskneftegas an.

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Die in der zentralrussischen Region Twer registrierte Baikalfinansgroup hatte sich am Freitag als letzter Bieter für die Versteigerung eintragen lassen. Neben der unbekannten Firma hatte nur noch die Öl-Tochter des Erdgasriesen Gasprom, Gaspromneft, an der Zwangsversteigerung teilgenommen. Gaspromneft-Vertreter weigerten sich in der Auktion aus zunächst unbekannten Gründen, die Baikalfinansgroup zu überbieten. Mehrere Analysten sehen in der Baikalfinansgroup eine Scheinfirma, die im Interesse von Gasprom oder staatlicher Institutionen handelt. Zur Versteigerung standen 76,8 Prozent von Yuganskneftegas.

Yukos-Sprecher Alexander Schadrin sagte der Nachrichtenagentur Interfax, der Gewinner der Zwangsversteigerung habe ein ernstes Problem erstanden. Derjenige, der hinter dem Käufer stehe und diejenigen, die ihm finanziell geholfen hätten, hätten ihrem Ansehen einen irreparablen Schaden zugefügt und trügen ein "großes juristisches Risiko".




Eine US-Richterin hatte am Samstagabend den Einspruch von Gasprom abgelehnt, der eine Aufhebung der einstweiligen Verfügung eines US-Konkursgerichts gegen die Auktion verlangt hatte, wie der "Houston Chronicle" berichtete. Damit gab die Richterin der Entscheidung einer Kollegin Recht, die am Donnerstag auf Antrag von Yukos einen mindestens zehntägigen Aufschub für die Versteigerung verlangt hatte. Die russische Regierung hatte jedoch bereits angekündigt, das nur Anordnungen eines russischen Gerichtes akzeptiert würden.

Ein Vertreter der Wahingtoner Anwaltskanzlei Greenberg Traurig, die den Yukos-Mehrheitsaktionär Menatep vertritt, kündigte an, Anwälte der Kanzlei würden die Versteigerung beobachten, um sich dort bereits ein Bild von dem künftigen Gegner in einem Prozess zu machen. Das Verfahren solle dann aber nicht in Russland, sondern im Ausland geführt werden. Als mögliche Gegner für die bevorstehende Klage nannte der Vertreter die russische Regierung, das Steuerministerium, Gasprom "oder jedes andere Unternehmen, das die Operation finanziert". Dies könne dann auch die Deutsche Bank treffen, falls diese sich an der Finanzierung der Zwangsübernahme beteilige.

Die russische Regierung fordert von Yukos Steuernachzahlungen in Höhe von umgerechnet 20,7 Milliarden Euro, die unter anderem der Verkauf von Yuganskneftegas einbringen soll. Yukos-Gründer Michail Chodorkowsky wurde im Oktober vergangenen Jahres festgenommen. Er wirft der Regierung politische Motive vor, da er vor der Präsidentenwahl oppositionelle Parteien finanziell unterstützt hatte.

Der russische Präsident Wladimir Putin wird am Montag im Rahmen der 7. Deutsch-Russischen Regierungskonsultationen in Hamburg von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) empfangen. Auf dem offiziellen Programm stand das Thema Yukos nicht.

19. Dezember 2004 - 16.45 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2004

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