Überlebende des Bosnien-Krieges bei Prozess gegen Karadzic
AFP VOM 25.10.2009 | Nachrichten - Nachrichten | 723 Aufrufe Mehr zum Thema:Karadzic
Ab Montag Verfahren gegen Ex-Serbenführer in Den Haag
Zum Auftakt des Prozesses gegen den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal sind rund 160 Überlebende des Bosnien-Kriegs (1992-1995) nach Den Haag gereist. Karadzic, der sich ab Montag wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten muss, hatte angekündigt, die Prozesseröffnung zu boykottieren. Das Vorgehen der Richter ist deshalb unklar.
"Wir wollen Europa und der Welt zeigen, dass wir immer noch da sind, nach der Wahrheit suchen und auf Gerechtigkeit warten", sagte Munira Subasic, die eine Organisation von Überlebenden des Massakers von Srebrenica leitet. Im Juli 1995 waren in Srebrenica mehr als 7000 muslimische Männer und Jungen getötet worden, Subasic verlor ihren Mann und ihren Sohn.
Das Massaker steht im Zentrum der Anklageschrift gegen Karadzic, die insgesamt elf Punkte umfasst. Neben Völkermord und Kriegsverbrechen muss sich Karadzic vor dem Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien auch wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs verantworten. Die Klagen beziehen sich unter anderem auf die mehrjährige Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, während der rund 10.000 Menschen ums Leben kamen, und auf das Massaker in Srebrenica.
Karadzic will sich in Den Haag selbst verteidigen und plädiert auf unschuldig. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Am Donnerstag hatte der 64-Jährige erklärt, er werde am Montag nicht vor Gericht erscheinen, weil er nicht genug Zeit zur Vorbereitung seiner Verteidigung gehabt habe.
Das Gericht hatte daraufhin zwar erklärt, es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass der Prozess nicht wie geplant beginnen werde. Tatsächlich befinden sich die Richter aber in einer schwierigen Situation. "Einerseits möchten sie den Stein endlich ins Rollen bringen, andererseits einen Kompromiss finden", sagte der frühere Ankläger des Tribunals, Alex Whiting.
Die Richter können laut Rechtsexperten entweder einen Pflichtverteidiger einsetzen, der Karadzic vertritt. Das würde den Prozess jedoch um mehrere Monate verzögern, da auch dieser sich in die Mammutakten einarbeiten müsste. Eine andere Möglichkeit ist, den Prozess wie geplant in Abwesenheit von Karadzic zu beginnen und zunächst nur die Anklageschrift zu verlesen. Karadzics Anhörung könnte dann später stattfinden und dieser den von ihm geforderten Aufschub erhalten.
25. Oktober 2009 - 17.08 Uhr
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