USA: Flynt kämpft gegen Zensur im Afghanistan-Krieg
28.1.2002 | Nachrichten - International | 3418 Aufrufe Mehr zum Thema:Flynt, Hustler, Afghanistan, Pressefreiheit
Hustler-Herausgeber verklagt US-Verteidigungsministerium
Larry Flint, Herausgeber des Hustler-Magazins, tritt einmal mehr in den Vereinigten Staaten von Amerika für die Pressefreiheit ein. Seine Anfang Januar eingereichte Klage gegen das Verteidigungsministerium der USA zielt auf die Einschränkungen der Berichterstattung über die Kriegsführung in Afghanistan ab: Flynt will per Richterspruch durchsetzen, dass die Reporter seines Magazins mit den Soldaten aus vorderster Linie berichten dürfen. Denn nach den geltenden Bestimmungen dürfen Journalisten weder innerhalb amerikanischer Einheiten agieren noch die einzelnen Operationen dokumentieren. Dies sei zu gefährlich, so die ablehnende Haltung des US-Militärs.
"Wenn man den Fernseher anmacht und Bilder von berichtenden Reportern in großen Städten sieht, dann denkt der Durchschnittsamerikaner, er sehe eine Kriegsberichterstattung. Tatsächlich aber sind die Reporter Meilen weit weg vom Geschehen, in einigen Fällen sogar Hunderte von Meilen", regt sich Flynt auf.
Die Armeeführung der Amerikaner wehrt sich, immerhin könnten Reporter ungehindert nach Afghanistan einreisen und auf eigene Faust das Geschehen wiedergeben. "Uns geht es um den Zugang zur Front, und dazu brauchen wir die Kooperation der Armee", wehrt sich Flynt. "Man will doch nicht da rüber gehen und sich dumm verhalten. Natürlich könnte man einen Wagen auftreiben und dem Fahrer sagen, er solle einen in die Berge fahren, und dort wird man dann unnötigerweise getötet."
Dass es ausgerechnet der Herausgeber des Männermagazins Hustler sein muss, der eine solche Klage gegen das Verteidigungsministerium einreicht, und nicht die Vertreter der großen Nachrichtensender oder -blätter, versteht der Kläger selbst nicht so ganz. "Ich bin der erste, der zugibt, dass die Mainstream-Medien wahrscheinlich besser als wir über den Krieg berichten können. Anstatt mir hätten die Vertreter der Mainstream-Medien diese Klage einreichen müssen", so Flynt. Aber niemand sei auf den Zug aufgesprungen.
Larry Flint hatte bereits 1983 bei der US-Invasion in Grenada vor Gericht die Rechte seiner Reporter durchzusetzen versucht. Er wollte erreichen, dass die Reporter die Armee auch bei ihren Kampfhandlungen begleiten dürfen und verlor. Die USA hatten nach dem Vietnam-Krieg, in dem wie in den Weltkriegen auch eine möglichst umfassende Berichterstattung und ein "transparenter" Krieg noch die Regel war, ihre Einstellung gegen Reporter geändert.


