US-Terroranschläge: Haftbefehl gegen zwei Hamburger Tatverdächtige
21.9.2001 | Nachrichten - Aktuelles | 2641 Aufrufe Mehr zum Thema:WTC, Atta, Bahaji, Binalshibh
Beide Männer hatten engen Kontakt zu Atta
Der Generalbundesanwalt Kay Nehm hat gegen zwei mutmaßliche Tatverdächtige wegen der Terroranschläge in den USA Haftbefehl erlassen. Die zwei in Hamburg gemeldeten Männer werden der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, des mehrtausendfachen Mordes undanderer schwerer Straftaten verdächtigt. Der derzeitige Aufenthaltsort beider Männer ist unbekannt, der Generalbundesanwalt hat die Öffentlichkeitsfahndung nach den Beschuldigten veranlasst.
Bei den Gesuchten handelt es sich um den 29 Jahre alten, jemenitischen Staatsangehörigen Ramzi Mohamed Abdullah Binalshibhund den von Beginn an verfolgten 26 Jahre alten, deutschen Staatsangehörigen Said Bahaji. Nach den bisherigen Erkenntnissen besteht nach Angaben der Generalbundesanwaltschaft der dringende Verdacht, dass sich beide Männer mit den zuTode gekommenen Mohammed Atta, Marwan Alshehhi, Ziad Jarrah und weiteren unbekannten Personen in Deutschland zu einer terroristischen Vereinigung zusammengeschlossen und die vier Anschläge in den USA gemeinschaftlich vorbereitet haben. Atta, Alshehhi und Jarrah waren Passagiere der Flugzeuge, die die am 11. September in die beiden Türme des World Trade Centers in New York geflogen waren.
Der Generalbundesanwalt geht von einer mehrjährigen Planung der Attentate aus. Bahaji und Binalshibh waren spätestens seit 1999 in die Planungsvorbereitungen eingebunden, so Nehm. Beide Beschuldigten standen in engem Kontakt zu den gestorbenen Attentätern, Zeugen sprachen von Freundschaft. Ramzi Binalshibh war ebenso wie Atta für die Marienstraße 54 in Hamburg gemeldet. Aus amerikanischen Unterlagen geht hervor, dass Binalshibh im Sommer 2000 versucht hatte, ein Visum für die USA zu erlangen. Sein Ziel war es, eine Ausbildung an einer Flugschule aufzunehmen, denn für diese Ausbildung hatte er bereits Mitte August 2000 eine Anzahlung in Höhe von 2.200 US Dollar geleistet. Das Vorhaben des Beschuldigten scheiterte, weil die USA ihm das Einreisevisum verweigerten. Binalshibh wurde letztmalig im August 2001 in Hamburg gesehen.
Said Bahaji wohnte nach Angaben Nehms ebenfalls in der besagten Wohnung in der Marienstraße. Er bezahlte an den Vermieter die Miete für die Wohnung, Atta und Binalshibh beteiligten sich anteilig. Atta vermerkte auf den Überweisungsformularen als Verwendungszweck "dar el Anser", was sinngemäß "Haus der Anhänger/Förderer" bedeutet. Bahaji zeigte Interesse an radikalen islamischen Führern, nach Zeugenaussagen vertritt er extreme islamische und "antiwestliche" Ansichten. Er verließ Deutschland Anfang September und ist seitdem flüchtig.


