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US-Gericht fordert im Fall Kaprun bisher geheime Gutachten an

AFP VOM 17.7.2009 | Nachrichten - Nachrichten | 982 Aufrufe
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Opferanwalt: Aufforderung an Siemens und andere Unternehmen

Fast neun Jahre nach der Brandkatastrophe in der Kapruner Seilbahn hat ein US-Gericht offenbar von mehreren Unternehmen, darunter Siemens, bislang geheime Gutachten zu dem Unglück angefordert. Das Münchner Unternehmen Siemens sowie der US-Ölkonzern Exxon und die US-Technologiefirma Westinghouse sollten die Unterlagen bis zum 29. Juli einem Gericht in New York übermitteln, sagte Opferanwalt Gerhard Podovsovnik am Freitag der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Bei dem verheerenden Brand in einem Alpentunnel im November 2000 waren 155 Menschen, unter ihnen 37 Deutsche, ums Leben gekommen.

"Die Wahrheit wird somit nunmehr endlich nach fast neun Jahren ans Licht gebracht werden können", sagte der Anwalt laut APA. So müssten auch geheime Gutachten, die von den Firmen vor den Opfern verschwiegen worden seien, offen gelegt werden. "Wir werden nicht nachlassen, der Gerechtigkeit endlich zum Durchbruch zu verhelfen", sagte Podovsovnik. Insbesondere bei den derzeit anhängigen Ermittlungsverfahren gegen die Gutachter als auch in einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte könnten die Informationen genutzt werden, "um zu beweisen, dass Österreich niemals ein faires Verfahren abgehalten" habe.

Laut Podovsovnik muss die Frage geklärt werden, wie genau die Kaprun-Opfer ums Leben kamen. Medizinische Gutachten hätten von Beginn an gezeigt, dass nur rund zehn Prozent der Opfer an einer Kohlendioxid-Vergiftung gestorben seien. "Es wurde nur versucht, die Angehörigen zu beschwichtigen, dass die Opfer langsam entschlummert sind und keinen Schmerz verspürten", kritisierte der Anwalt. Die Materialkombination am Unglücksort, die hoch giftige Gase wie Chlor und Zyklon verursacht habe, hätte aber untersucht werden müssen.

2005 hatte ein Linzer Gericht den Freispruch von 16 Angeklagten im Fall Kaprun bestätigt. Die deutsche Justiz stellte 2007 ihre Ermittlungen ein. Im Oktober 2008 rollte die österreichische Justiz den Fall Kaprun auf Grundlagen neuer Gutachten jedoch neu auf. Den neuen Unterlagen zufolge waren während der vorherigen Ermittlungen Beweise verschwunden, außerdem hätten mehrere Gutachten falsche Angaben enthalten.

17. Juli 2009 - 14.26 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2009


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