UN-Bericht: Giftmüll in Elfenbeinküste hatte tödliche Wirkung
AFP VOM 17.9.2009 | Nachrichten - Nachrichten | 1375 Aufrufe Mehr zum Thema:Giftmüllimporte
Bei Umweltkatastrophe starben 2006 mindestens 15 Menschen
Die UNO geht davon aus, dass frühere Giftmüllimporte in die Elfenbeinküste Schuld an einer Vielzahl von mysteriösen Todesfällen und Erkrankungen haben. Es gebe eine "solide Grundlage" für die Annahme, dass die Todesfälle und Krankheiten direkt oder indirekt mit der Entladung des Giftmülls in der Wirtschaftsmetropole Abidjan zusammenhingen, heißt es in einem UN-Bericht zu dem Giftmüllskandal vor drei Jahren, den der Sonderberichterstatter Okechukwu Ibeanu am Donnerstag in Genf vorstellte. Zwar gebe es keine "wissenschaftlichen Beweise" über die Auswirkungen des Giftmülls, doch sei es "kein Zufall", dass tausende Menschen erkrankt seien, sagte Ibeanu.
Im August 2006 waren insgesamt 500 Tonnen Giftmüll auf offenen Halden von Abidjan entsorgt worden. Mindestens 15 Menschen starben kurz darauf, mehr als 100.000 Menschen mussten wegen Durchfall, Erbrechen und Atemproblemen ärztlich behandelt werden. Transportiert wurde der Giftmüll auf dem Schiff "Probo Koala", den das international mit Erdölprodukten handelnde Unternehmen Trafigura gechartert hatte.
Das Unternehmen mit Sitz in London wies die Ergebnisse des Berichts umgehend als "voreilig" und "fehlerhaft" zurück. Der Bericht sei "unausgewogen" und habe "grundlegende analytische Schwächen", es gebe keine nachprüfbaren Beweise für seine Schlussfolgerungen. Trafigura hatte stets bestritten, dass die Todesfälle und Erkrankungen etwas mit dem Müll zu tun haben könnten.
Emails an Trafigura, die britische Medien am Donnerstag veröffentlichten, legen jedoch nahe, dass sich einige führende Vertreter des Unternehmens über die Gefährlichkeit des Giftmülls im Klaren gewesen sein mussten. Trafigura erklärte dazu, die Emails seien aus dem Zusammenhang gerissen.
Erst am Mittwoch hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass es sich wahrscheinlich bald mit mehr als 30.000 von einer britischen Anwaltskanzlei vertretenen Opfer außergerichtlich einigen werde. Dabei gehe es um Entschädigungen in Millionenhöhe. Im Oktober sollte eigentlich der Mammutprozess vor einem Gericht in London beginnen.
Auch in den Niederlanden steht ein Prozess gegen Trafigura, den Kapitän der "Probo Koala" und die Stadt Amsterdam an. Die Hafenbehörde hatte das Schiff trotz einer abgebrochenen Säuberung des Innenraums Richtung Elfenbeinküste weiterfahren lassen. Anhörungen sind für kommendes Jahr angesetzt. Mit der Regierung der Elfenbeinküste besiegelte Trafigura im Februar 2007 eine außergerichtliche Einigung. Dabei sagte das Unternehmen die Zahlung von umgerechnet 152 Millionen Euro zu. Frankreich übernahm die Entsorgung des Giftmülls.
17. September 2009 - 21.04 Uhr
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