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del vom 17.1.2005   12321 Aufrufe    Leserwertung: 0,0 (0 User)
Rubrik: Editorial - Leitartikel

Tue Gutes und rede darüber?

Spenden helfen. Doch viele Spender haben ein zweifelhaftes Motiv

Es ist schön, wie viele Menschen Spenden nach Asien geschickt haben, um die Opfer der Flutkatastrophe zu unterstützen. Und die Regierung erst! Was für ein tolles Land! Was für eine Hilfsbereitschaft! Rekordsummen! Doch viele, die Geld gespendet haben, müssen sich Fragen gefallen lassen: War es reine Nächstenliebe? Ein Akt Menschlichkeit? Oder diente es einfach nur der Stärkung des eigenen Egos? Dem eigenen Ansehen in der Gesellschaft?




Wer von den Spendern hat einfach nur gespendet, und dann nicht darüber geredet? Keinem etwas mitgeteilt? Einfach nur gespendet und dann die Klappe gehalten? Kaum einer. Die meisten haben sich doch gleich nach der Überweisung den Mund fusselig kommuniziert und dargelegt, was für tolle Menschen sie doch sind. "Ich habe gestern soundsoviel gespendet, und das, obwohl ich so wenig verdiene!" "Wir waren mit demunddem Betrag dabei! Da muss man doch einfach helfen!" "Auch wir haben gespendet, ist ja wohl selbstredend!" "Wir auch!" "Und wir erst!"

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Wer kann ehrlich bestreiten, dass er unbedingt nach außen kommunizieren musste, was und wieviel er gespendet hat? Wer hat es nicht zumindest in einem Nebensatz irgendwem mitgeteilt?

Warum musste ein Michael Schuhmacher in einer Fernsehsendung anrufen und seine Millionenspende öffentlich bekannt geben? Konnte er nicht einfach heimlich spenden und es für sich behalten? Was ist mit den prominenten Care-Paketschnürern, die natürlich eine Kamera dabei haben mussten? So diente das Ganze doch auch und vor allem dem eigenen Image. Man sorgt sich ja. Man tut ja was. Man ist ja gar nicht so kalt, wie die Leute immer sagen.

Tut Gutes und redet nicht darüber. Was für weise Worte. Nächstenliebe heißt, etwas für den Nächsten zu tun, und nicht um seiner selbst willen. Doch viele wollten doch nur auf ein Podest, dazugehören, Ansehen stärken. Andere überbieten. "Ich bin gut" sagen. Es muss ja jeder mitbekommen. Sonst lohnt es sich doch nicht.

Nicht falsch verstehen: Spenden, anderen Menschen helfen, all das ist sehr schön. Und sinnvoll. Und gut. Es sagt keiner, dass man nicht spenden soll. Im Gegenteil. Aber beobachtet euch mal. Kommt es vom Herzen, oder macht ihr das nur, wenn andere es mitbekommen? Gebt ihr einem Bettler auch einen Euro, wenn niemand es sieht? Würdet ihr auch spenden, wenn es keiner, wirklich keiner wissen würde?

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