Todesstrafe für Mord an Kopten in Ägypten vor einem Jahr
AFP VOM 16.1.2011 | Nachrichten - Allgemein | 960 Aufrufe Mehr zum Thema:Mord, Kopten
Angeklagter soll Chef von Angreifer-Trio gewesen sein
Wegen des Mordes an sechs koptischen Christen und einem Muslim vor einem Jahr ist in Ägypten ein Mann zum Tode verurteilt worden. Ein Gericht in der südägyptischen Stadt Kena befand den Angeklagten am Sonntag schuldig, am Vorabend des orthodoxen Weihnachtsfests im Januar 2010 aus einem Auto heraus auf eine Gruppe von Gläubigen geschossen zu haben, die gerade aus einer Kirche in der Ortschaft Nagaa Hamadi kam.
Der Verurteilte gilt als Chef eines Angreifer-Trios, das am 6. Januar 2010 sechs koptische Christen und einen Muslim tötete. Neun Menschen wurden damals verletzt. Zum Motiv des Mannes machte das Gericht keine Angaben. Das Urteil gegen seine beiden mutmaßlichen Komplizen soll am 20. Februar fallen.
Nach der Tat war die Polizei der Spur eines Racheakts nachgegangen, weil zuvor ein muslimisches Mädchen von einem Kopten vergewaltigt worden war. Diese Vermutung sorgte für Unruhen in der Region.
Die koptische Gemeinde kritisierte darüber hinaus die Langsamkeit der ägyptischen Justiz bei dem Prozess. Am Sonntag begrüßte jedoch der koptische Bischof von Nagaa Hamadi das Urteil gegen den Hauptangeklagten. Auch Lakam Natsched, dessen Sohn vor der Kirche getötet worden war, sprach von einem "gerechten Richterspruch".
In Ägypten herrscht mit Blick auf die Sicherheitslage von koptischen Christen derzeit ein besonders angespanntes Klima. In der Neujahrsnacht 2010 waren bei einem Bombenanschlag auf eine koptische Kirche in Alexandria 21 Menschen ums Leben gekommen, 80 weitere wurden verletzt. Der Anschlag löste weltweit Bestürzung aus. In der vergangenen Woche schoss in einem Zug ein Polizist auf koptische Insassen und tötete dabei einen Gläubigen.
Die Kopten sind die größte christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten und machen bis zu zehn Prozent der 80 Millionen Einwohner Ägyptens aus. Sie sehen sich im Alltag Diskriminierungen und Benachteiligungen durch Muslime ausgesetzt. In Ägypten kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Kopten und Muslimen, meist aus Verärgerung über den Bau neuer Kirchen.
16.01.2011 - 16:01 Uhr


