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Todespiloten wollten angeblich nach Tschetschenien

AFP VOM 4.12.2002 | Nachrichten - Aktuelle Prozesse | 23119 Aufrufe
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Motassadeq

Mutmaßlicher Terroristen-Komplize Motassadeq sagt in Hamburg aus

Einige Mitglieder der Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta wollten angeblich an der Seite der Rebellen in Tschetschenien kämpfen. Dies sagte der mutmaßliche Komplize Mounir El Motassadeq im Prozess um die Anschläge vom 11. September vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht. Auf die Frage nach dem Motiv für diese Pläne im Herbst 1999 sagte der 28-jährige Marokkaner: "Wegen der Massaker, die die Russen dort begangen haben. Sie wissen ja, was man da macht: Sich verteidigen."

Der Angeklagte schilderte am dritten Tag seiner Vernehmung vor Gericht, dass er ihm Herbst 1999 von den Reiseplänen der späteren Todespiloten Atta, Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah sowie des mutmaßlichen Helfers Ramzi Binalshibh erfahren habe. Diese hätten vorgehabt, über Afghanistan nach Tschetschenien zu gelangen. In einigen Moscheen hätten damals Aushänge auf die Problematik des zweiten Tschetschenien-Krieges hingewiesen. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass Atta, Alshehhi, Jarrah und Binalshibh im November 1999 in ein El-Kaida-Lager nach Afghanistan reisten, um Einzelheiten der Anschläge und deren logistische Unterstützung abzustimmen.

Das Gericht befragte den früheren Elektrotechnik-Studenten erneut auch zu seiner Rolle in Hamburg während der Abwesenheit der späteren Attentäter. Motassadeq berichtete, dass ihn Anfang 2001 besorgte Angehörige Alshehhis aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in Hamburg aufgesucht hätten. Sie hätten Alshehhi vermisst und dessen Kontoauszüge sehen wollen. Die Familie habe befürchtet, der wohlhabende Student sei entführt worden.

Motassadeq hatte zu dieser Zeit eine Generalvollmacht für Alshehhis Geschäfte und dessen Konto. Laut Anklage diente das Konto als "Finanzierungstopf" der Terrorzelle.

Die Bundesanwaltschaft wirft Motassadeq Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord an mehr als 3000 Menschen vor. Zum Prozessauftakt hatte Motassadeq zwar einen Aufenthalt in einem El-Kaida-Lager in Afghanistan im Frühjahr 2000 eingeräumt, die Terrorismus-Vorwürfe aber bestritten.

29. Oktober 2002 - 16.17 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2002



Seiten in diesem Artikel:
Seite 1: Verteidigung beantragt Einstellung von Motassadeq-Prozess
Seite 2: US-Bürger als Nebenkläger im Motassadeq-Prozess zugelassen
Seite 3: Hamburg: Bericht zu Überweisungen der Terrorzelle
Seite 4: Zeuge in Motassadeq-Prozess: Atta war Fanatiker
Seite 5: Zeugen relativieren Aussage zu Gewaltbereitschaft Motassadeqs
Seite 6: Todespiloten wollten angeblich nach Tschetschenien
Seite 7: El Motassadeq räumt Geschäfte für Attentäter vom 11. September ein
Seite 8: Über mich hat er keine Macht gehabt
Seite 9: Motassadeq bestreitet Beteiligung an 11. September
Seite 10: Prozess gegem mutmaßlichen Terroristen El Motassadeq begonnen
Seite 11: Erhöhtes Polizeiaufgebot und schusssichere Plexiglaswand im Gericht
Seite 12: Statthalter der Todespiloten oder ahnungsloser Helfer?
Seite 13: Mounir El Motassadeq

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