Tipps zur Studienplatzklage im Studiengang Humanmedizin in höhere Fachsemester

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Ausgangssituation

In den letzten Jahren ist im Studiengang Humanmedizin der Trend zu beobachten, dass die Anzahl der Studienplatzklagen in höhere Fachsemester zugenommen hat. Dies betrifft im Studiengang Humanmedizin drei Bewerbergruppen:

Frank Selbmann
seit 2008 bei
123recht.net
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Verwaltungsrecht
04275 Leipzig
Hochschulrecht, Prüfungsrecht - Prüfungsanfechtung, Schulrecht

Zum einen handelt es sich um Studienbewerber, die sich um einen Studienplatz für den klinischen Studienabschnitt bewerben und im regulären Bewerbungsverfahren keinen Studienplatz erhalten. Ursache ist die große Anzahl der Rückkehrer, die die vorklinische Ausbildung in Ungarn oder anderen osteuropäischen Staaten absolviert haben und sich nun um einen Studienplatz an einer deutschen Hochschule für den klinischen Studienabschnitt bewerben.

Hinzu kommen Studienbewerber, die auf einem auf den vorklinischen Studienabschnitt beschränkten Studienplatz (Teilstudienplatz) an den Universitäten Göttingen, Leipzig oder Marburg studiert haben.

Zum anderen gibt es Studienbewerber für höhere vorklinische Semester, die in einem anderen Studiengang (z. B. Biochemie oder Zahnmedizin) anrechenbare Leistungen erworben haben und in den Studiengang Humanmedizin wechseln möchten.

Alle Chancen im regulären Bewerbungsverfahren nutzen und Fristen beachten

Für alle drei Bewerbergruppen gilt zunächst: Eine Studienplatzklage stellt eine zusätzliche Möglichkeit dar, einen Studienplatz im Wunschstudiengang zu erhalten. Zunächst sollten aber alle Chancen auf eine Zulassung im ordentlichen Bewerbungsverfahren genutzt werden.

Studienbewerber für einen Studienplatz in einem höheren Fachsemester sollten sich daher direkt an allen Hochschulen im Bundesgebiet, die eine Ausbildung im jeweiligen Fachsemester anbieten, um einen Studienplatz im Studiengang Humanmedizin bewerben. Hier sind unterschiedliche Bewerbungsfristen der Hochschulen zu beachten. Die Fristen für die Direktbewerbung laufen i.d.R. am 15.01. (Sommersemester) bzw. am 15.07. (Wintersemester) ab. Es gibt aber auch Hochschulen mit früheren Bewerbungsterminen, so die Universität Leipzig. Dort laufen die Bewerbungsfristen bereits am 30.11. (Sommersemester) bzw. am 31.05. (Wintersemester) ab.

Weiterhin sollte geprüft werden, ob eine ZVS-Bewerbung sinnvoll ist. Dies kann der Fall sein, wenn der Studienbewerber auf einem vorläufigen Teilstudienplatz studiert. In diesem Fall ist das Studium nicht wartezeitschädlich. Gleiches gilt für Studienbewerber mit längeren Wartezeiten, die aus dem Ausland zurückkehren. Die Bewerbungsfristen für Altabiturienten bei der ZVS laufen ebenfalls am 30.11. (Sommersemester) und am 31.05. (Wintersemester) ab.

Voraussetzung für Quereinsteiger ist ein Anrechnungsbescheid

Voraussetzung für die Immatrikulation in ein höheres Fachsemester eines Studienganges, in dem ein Studienbewerber noch nicht studiert hat, ist ein Anrechnungsbescheid. Das gilt auch, wenn der Wunschstudiengang bisher ausschließlich im Ausland (z.B. in Ungarn) absolviert wurde.

Im Studiengang Medizin ist die Anrechnung von Studienleistungen über die zuständige Behörde des Bundeslandes, in dem der Studienplatzbewerber geboren wurde, zu beantragen.

Quereinsteiger müssen sich zunächst bei der Hochschule, an der sie Zahnmedizin oder einen anderen verwandten Studiengang studiert haben, eine Äquivalenzbescheinigung ausstellen lassen. Aus dieser ist die Vergleichbarkeit bisher erzielter Studienteilleistungen mit Teilleistungen im Studiengang Humanmedizin erkennbar. Auf der Grundlage der Äquivalenzbescheinigung wird von der zuständigen Stelle der Anrechnungsbescheid erstellt. Dieser legt fest, wie viele Fachsemester im Wunschstudiengang als bereits absolviert gelten.

Hinweis für einen Wechsel von einem Teilstudienplatz auf einen Vollstudienplatz

Für den Wechsel von einem Teil- auf einen Vollstudienplatz werden keine Anrechnungsbescheide ausgestellt. Denn die Studienleistungen wurden bereits nach der Approbationsordnung für Ärzte erbracht. Daher reichen die Leistungsnachweise für eine entsprechende Bewerbung aus.

Taktische Überlegung für Rückkehrer aus Ungarn

Medizinstudenten in Ungarn oder anderen osteuropäischen Staaten sollten sich regelmäßig Anrechnungsbescheide für bereits erworbene Leistungen ausstellen lassen. Weiterhin sollte überlegt werden, ob die ärztliche Vorprüfung in Ungarn absolviert werden soll oder ob bereits eine Bewerbung um einen Studienplatz in das 3. oder 4. Fachsemester ratsam ist. Gleiches betrifft die Frage der Durchführung von Studienplatzklageverfahren. Im vorklinischen Studienabschnitt ist die Anzahl der Antragsteller in Studienplatzklageverfahren geringer, als in Verfahren für das 5. Fachsemester. Der Vorteil ist, dass die Zeit, in der die Verfahren laufen, genutzt werden kann, um weiterzustudieren. Bei einem Wechsel nach der ärztlichen Vorprüfung können dagegen längere Wartezeiten nicht ausgeschlossen werden, da ein Teil der Verwaltungsgerichte relativ spät entscheidet.

Teilzulassung an deutschen Hochschulen und Studienplatzklagen

Für Studierende, die auf einem auf den vorklinischen Studienabschnitt beschränkten Teilstudienplatz studieren, ist es dagegen ratsam zunächst die ärztliche Vorprüfung zu absolvieren. Solange man auf einem Teilstudienplatz studiert, besteht das Risiko, dass die Verwaltungsgerichte im Rahmen eines zeitgleich durchgeführten einstweiligen Anordnungsverfahrens die Eilbedürftigkeit des Antrags verneinen. Aber auch für diese Bewerbergruppe gilt, dass rechtzeitig überlegt werden sollte, wie das Medizinstudium nach der ärztlichen Vorprüfung am Besten fortgeführt werden kann.

Besondere formelle Erfordernisse für Studienplatzklageverfahren in höhere Fachsemester

Die Erfolgsaussichten einer Studienplatzklage in höhere Fachsemester sind noch immer größer als die in das erste Fachsemester. Der Grund liegt darin, dass die Antragstellerzahl in den höheren Fachsemestern wesentlich geringer ist. Jedoch sind wie bei allen Studienplatzklageverfahren besondere Form- und Fristerfordernisse zu beachten, über die ein spezialisierter Rechtsanwalt beraten kann.

Fristen

Neben den regulären Bewerbungsfristen sind auch in Kapazitätsrechtstreitigkeiten besondere Fristen zu beachten. Voraussetzung für die Durchführung eines einstweiligen Anordnungsverfahrens ist wie im 1. Fachsemester ein Antrag auf Zulassung zum Studium außerhalb der festgesetzten Kapazität. Dieser ist wie die reguläre Bewerbung ebenfalls bei der Hochschule direkt einzureichen und an bestimmte Fristen gebunden. Die reguläre Bewerbung enthält den außerkapazitären Antrag jedoch in der Regel nicht. Die ersten Fristen für außerkapazitäre Bewerbungen laufen bereits am 15.01. (Sommersemester) und am 15.07. (Wintersemester) ab. Daher sollte ein spezialisierter Rechtsanwalt möglichst frühzeitig kontaktiert werden.

Wir beraten gern zur Frage, zu welchem Zeitpunkt eine Studienplatzklage in ein höheres Fachsemester durchgeführt werden soll.

Rechtsanwalt Dr. Frank Selbmann
Fachanwalt für Verwaltungsrecht

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