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Tierschutzbund will gegen Massentötung von Rindern klagen

AFP VOM 1.2.2001 | Nachrichten - Aktuelles | 4029 Aufrufe
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BSE, Tierschutz, Rinder

- Ethik-Professor rügt Doppelmoral in Debatte

Der Deutsche Tierschutzbund will die geplante Massentötung von bis zu 400.000 Rindern mit einer Klage verhindern. Das von der Bundesregierung gebilligte Vorhaben verstoße gegen das im Tierschutzgesetz verankerte Verbot der Tötung von Wirbeltieren "ohne vernünftigen Grund", sagte Verbandssprecher Thomas Schröder am Donnerstag in Bonn. Einzelheiten der Klage sollten zunächst von Rechtsexperten geprüft werden; das Verfahren solle dann rechtzeitig vor dem geplanten Anlaufen der Schlachtaktion in drei Wochen in Gang kommen. Auch Wissenschaftler distanzierten sich von der Aktion, mit der der wegen der BSE-Krise zusammengebrochene Fleischmarkt entlastet werden soll. Der Chef der Gewerkschaft NGG, Franz-Josef Möllenberg, forderte, die Tiermehlindustrie an den Kosten der Massenvernichtung zu beteiligen.

Der Tierschutzbund prüft nach Angaben seines Präsidenten Wolfgang Apel derzeit noch, gegen wen sich eine Klage wegen der geplanten Massentötung richten könne. Als Möglichkeiten nannte Schröder gegenüber AFP die Bundesregierung oder den EU-Agrarministerrat in Brüssel; Apel nannte im ORB EU-Kommissar Franz Fischler sowie Ex-Bundesagrarminister Karl-Heinz Funke (SPD) als politisch Verantwortliche. Die Rinderzüchter, die auf das Angebot zur Abgabe und Vernichtung ihrer Tiere eingehen wollen, sollten nach Angaben Schröders nicht Zielscheibe einer Klage sein. Diesen gehe es derzeit ohnehin nicht gut. Funke hatte angesichts des Einbruchs des Fleischmarktes wegen der BSE-Krise mit seinen EU-Kollegen das Programm zum Aufkauf von Rindern im Dezember beschlossen.

Der Umweltethiker Konrad Ott beanstandete eine Art Doppelmoral: Jahrzehntelang seien Rinder in Massen gehalten und geschlachtet worden, sagte das Mitglied im Umwelt-Sachverständigenrat der Bundesregierung in Greifswald der Nachrichtenagentur AFP. Nun sollten die Tiere nach der Schlachtung direkt vernichtet werden, statt in die Nahrungskette zu gelangen. Für die betroffenen Tiere mache dies "aus ethischer Sicht keinen Unterschied". In dem Fall würden jedoch "doppelte Standards" angelegt, bemängelte der Greifswalder Professor. Von den Verbrauchern forderte Ott, sich nicht nur in Umfragen zu ökologisch erzeugten Lebensmitteln zu bekennen, sondern sich auch an der Ladentheke dafür zu entscheiden.

Nach Ansicht des Präsidenten der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BFAV), Thomas Mettenleiter, hat die Masssenschlachtung "mit Wissenschaft nichts zu tun". Das Programm sei aus wissenschaftlicher Sicht nicht erforderlich, betonte der BSE-Forscher im BFAV-Sitz auf der Ostsee-Insel Riems. Es handele sich ausschließlich um "Marktmaßnahmen".

Der hessische Bauernpräsident Heinz Christian Bär sagte im Hessischen Rundfunk, er gehe davon aus, dass die übergroße Mehrheit der Bauern dem Angebot zu Aufkauf und Vernichtung der Tiere zustimmen werde. Den Bauern schlage es indes "sehr, sehr aufs Gemüt", wenn die Tiere geschlachtet würden, um anschließend vernichtet zu werden. Bär sprach sich für eine humanitäre Verwendung des Fleisches aus; Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) lehnte diese Pläne aber erneut ab. Ein Export von Rindfleisch in Entwicklungsländer wäre "entwicklungspolitisch unsinnig und moralisch unanständig", erklärte sie. Möllenberg verlangte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Kosten der Aktion dürften nicht allein den Steuerzahlern aufgebürdet werden.

© AFP Agence France-Presse GmbH 2001

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