Der in Frankreich in Haft sitzende venezolanische Terrorist "Carlos" hat vor einem Gericht in Paris gefordert, einen Film über sein Leben vor der Ausstrahlung sehen zu dürfen. Es gehe nicht um Zensur oder ein Verbot des Films, sagte die Ehefrau und Anwältin von "Carlos", Isabelle Coutant-Peyre, am Donnerstag bei der Verhandlung. Es müssten aber die Rechte ihres Mandanten gewahrt bleiben, etwa das Recht am eigenen Bild. Auch müsse die Unschuldsvermutung gelten; einige der Vorgänge, die der Dreiteiler des Fernsehsenders Canal+ und der französische Produktionsfirma Film en Stock behandelt, werden bald Gegenstand eines neuen Prozesses gegen "Carlos".
Die Gegenseite wies die Forderung zurück. "Das ist, als müsse man Osama bin Ladens Einverständnis einholen, um ein Buch über ihn zu schreiben", sagte ein Anwalt von Film en Stock. Ein Werk könne nicht vor dessen Ausstrahlung belangt werden, es gelte das Recht auf freie Meinungsäußerung. Ein Beschluss des Gerichts wird am 8. April erwartet. Anfang Februar hatte sich ein Gericht in der westlich von Paris gelegenen Stadt Nanterre, in deren Nähe Canal+ seinen Sitz hat, mit dem Fall befasst; das Gericht überwies ihn aber nach Paris, wo Film en Stock sitzt. Nach Angaben von Canal+ und Film en Stock steht der Film kurz vor der Fertigstellung, ein Sendetermin steht noch nicht fest.
"Carlos", der mit richtigem Namen Ilitch Ramirez Sanchez heißt, verbüßt in einem Gefängnis in der Nähe von Paris eine lebenslange Haftstrafe. Er hatte in den 70er Jahren zwei französische Geheimdienstagenten und einen V-Mann umgebracht. Demnächst kommt er wegen einer Reihe von Attentaten in den Jahren 1982 und 1983 in Frankreich erneut vor Gericht.
18. März 2010 - 17.20 Uhr
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