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Taylor laut Staatsanwaltschaft der Kriegsverbrechen schuldig

Taylor laut Staatsanwaltschaft der Kriegsverbrechen schuldig

AFP VOM 8.2.2011 | Nachrichten - Allgemein | 714 Aufrufe
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Taylor, Kriegsverbrecher

Liberias Ex-Präsident und Anwalt verlassen aus Protest Gericht

Liberias Ex-Präsident Charles Taylor ist nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft der Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig. Taylor trage die "größte Verantwortung für die furchtbaren Verbrechen", die in Sierra Leone begangen worden seien, sagte Staatsanwältin Brenda Hollis am Dienstag in ihrem Schlussplädoyer. Taylor und sein Anwalt blieben dem Prozess nach dem Auftakt aus Protest fern.

"Er hat die Terrorkampagne gegen die sierra-leonische Bevölkerung geführt, ins Leben gerufen, genährt und unterstützt", sagte Hollis in dem Gericht in Leidschendam, einem Vorort von Den Haag. All diese "Gräueltaten" hätten lediglich dazu gedient, die "Habgier und den Durst nach Macht von Charles Taylor zu stillen", fügte die Staatsanwältin hinzu. Den 62-Jährigen beschrieb sie in dem Plädoyer als "charismatischen, intelligenten Manipulierer".

In dem seit 2008 laufenden Verfahren geht es um Taylors mutmaßliche Unterstützung für die Rebellenbewegung Revolutionäre Front im Nachbarland Sierra Leone, die Kindersoldaten in den Kampf geschickt und mit deren Hilfe Taylor reiche Diamantenschätze eingefahren haben soll. Bei dem Bürgerkrieg in Sierra Leone wurden zwischen 1991 und 2001 etwa 120.000 Menschen getötet.

Taylor habe das Ziel gehabt, das sierra-leonische Volk und das Gebiet des Landes "gewaltsam zu kontrollieren" und das Land seiner Ressourcen zu berauben - "vor allem seiner Diamanten", der sogenannten Blutdiamanten, hieß es in dem Schlussplädoyer der Anklage.

Die Schlussphase des Prozesses gegen den liberianischen Ex-Präsidenten hatte mit einem Eklat begonnen. Taylors Verteidiger Courtenay Griffiths stürmte am Dienstagmorgen aus dem Gerichtssaal, nachdem das Gericht ein von ihm verspätet eingereichtes Dokument nicht zugelassen hatte. Nach einer kurzen Pause blieb auch Taylor selbst trotz einer gegenteiligen Anweisung der Richterin Teresa Doherty der Verhandlung fern.

Eine Angestellte des Gerichts sagte, Taylor sei sehr aufgebracht gewesen und habe etwas Ruhe gebraucht. Gerichtssprecher Solomon Moriba sagte, Taylor habe im Aufenthaltsraum eine Kaffeepause gemacht und sich danach geweigert, den Raum zu verlassen. Doherty ordnete daraufhin die Fortsetzung der Sitzung an.

Am Vormittag hatte Taylors Anwalt Griffiths argumentiert, dass es den Prozess unfair mache, wenn ein Dokument nicht zugelassen werde. Er empfinde es als "nicht angemessen", weiter an dem Verfahren teilzunehmen. Vor dem Gerichtssaal bezeichnete er den Prozess vor Journalisten als "vollständige Farce".

Das Urteil wird für Mitte des Jahres erwartet. Es ist das erste Verfahren gegen einen afrikanischen Staatschef vor einem internationalen Gericht. Für Mittwoch ist eigentlich das Schlussplädoyer der Verteidigung geplant, die auf nicht schuldig plädiert. Zunächst solle jedoch eine Entscheidung bezüglich des abgelehnten Dokuments abgewartet werden, sagte Griffiths.

Gegen Taylor hatte auch das britische Topmodel Naomi Campbell im vergangenen Sommer vor dem Sondertribunal für Sierra Leone ausgesagt. Sie soll 1997 von Taylor ein Diamantengeschenk bekommen haben. Die Anklage will so beweisen, dass Taylor sogenannte Blutdiamanten besaß. Er soll während des Bürgerkriegs im Nachbarland Sierra Leone die Rebellen mit Waffen unterstützt und dafür Blutdiamanten erhalten haben.

08.02.2011 - 15:01 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2010

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