Tausende erinnern an armenisch-türkischen Journalisten Dink
AFP VOM 19.1.2011 | Nachrichten - Allgemein | 654 Aufrufe Mehr zum Thema:Dink, Journalist
Kundgebung in Istanbul am vierten Jahrestag des Mordes
Mehrere tausend Menschen haben in der Innenstadt von Istanbul des vor vier Jahren ermordeten armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink gedacht und eine rückhaltlose Aufklärung des Verbrechens gefordert. Die Teilnehmer der Gedenkkundgebung versammelten sich am Mittwoch an der Stelle vor dem Gebäude von Dinks armenischer Wochenzeitung "Agos", an der der Journalist am 19. Januar 2007 von einem damals minderjährigen Rechtsradikalen erschossen worden war. An der Kundgebung zur Tatzeit um 15.00 Uhr (14.00 Uhr MEZ) nahmen Dinks Witwe Rakel und zahlreiche prominente Journalisten und Bürgerrechtler teil.
"Vier Jahre ohne Hrant", stand auf Schildern, die in der Menge hochgehalten wurden. "Wir sind alle Armenier", hieß es in Sprechchören. Der Historiker Ahmet Insel sagte dem türkischen Nachrichtensender NTV am Rande der Kundgebung, die Justiz wolle nur die unmittelbar Tatbeteiligten belangen, nicht aber die im Staatsapparat vermuteten Hintermänner. Es gebe starke Bestrebungen, die wahren Hintergründe des Mordes zu verschleiern.
Auch Dinks Familie und das Europäische Menschenrechtsgericht in Straßburg werfen den türkischen Behörden vor, sie scheuten davor zurück, Hinweisen auf eine Verwicklung der Sicherheitskräfte in den Mord nachzugehen. Das Straßburger Gericht kritisierte in einem Urteil im vergangenen Jahr außerdem, der türkische Staat habe Dink trotz vorliegender Hinweise auf Mordpläne aus der rechtsextremen Szene nicht geschützt.
Der Todesschütze Ogün Samast steht vor einem Jugendgericht und kann im kommenden Jahr mit der Freilassung rechnen, wenn bis dahin kein Urteil fällt. Auch der Prozess gegen mutmaßliche Komplizen von Samast tritt auf der Stelle. Für türkische Rechtsnationalisten war Dink ein Landesverräter, weil er dafür eintrat, die türkischen Massaker an anatolischen Armeniern während des Ersten Weltkrieges als Völkermord anzuerkennen.
19.01.2011 - 15:01 Uhr


