Tausende Demonstranten vor deutscher Botschaft in Kigali
AFP VOM 10.11.2008 | Nachrichten - International | 6803 Aufrufe Mehr zum Thema:Ruanda
Ruanda erzürnt über Festnahme einer Vertrauten Kagames
Nach Protestaufrufen der ruandischen Regierung sind mehrere tausend Menschen vor die deutsche Botschaft in der Hauptstadt Kigali gezogen. Die Demonstranten zeigten sich erzürnt über die Festnahme einer Vertrauten von Präsident Paul Kagame am Sonntag in Frankfurt am Main. "Deutschland: Statt Verantwortliche des Völkermords festzunehmen, nehmt ihr Unschuldige fest", hieß es auf einem Spruchband. Die Regierung Ruandas hatte erklärt, die 47-jährige Rose Kabuye müsse umgehend freigelassen werden. Die Polizei gab die Zahl der Demonstranten mit 7500 an.
Die Protokollchefin Kagames muss mit einer baldigen Auslieferung nach Frankreich rechnen. Paris hatte gegen Kabuye einen internationalen Haftbefehl erwirkt, weil sie in einen Mordanschlag auf den damaligen ruandischen Präsidenten Juvénal Habyarimana 1994 verwickelt gewesen sein soll. Der Präsident war beim Absturz seines Flugzeugs ums Leben gekommen. Nach dem Absturz der Präsidentenmaschine hatte der Völkermord in Ruanda eingesetzt, dem in dem ostafrikanischen Land mehr als 800.000 Menschen zum Opfer fielen.
Kabuye war nach Angaben von Diplomaten in Berlin darüber informiert, dass sie bei einer Einreise nach Deutschland mit ihrer Festnahme rechnen musste. Die Protokollchefin war bereits im April mit einer ruandischen Delegation unter der Führung Kagames nach Deutschland eingereist. Damals hatten die deutschen Behörden sie nicht festgenommen, weil sie in offizieller Mission unterwegs war und damit diplomatische Immunität genoss. Bei der jetzigen Einreise sei dies anders gewesen, weil Kabuye privat unterwegs war, hieß es.
Kabuye befinde sich im Frankfurter Frauengefängnis "in Auslieferungshaft", erklärte die leitende Oberstaatsanwältin Hildegard Becker-Toussaint. Eine Auslieferung komme "üblicherweise" innerhalb von zehn bis 14 Tagen zustande.
Die Demonstranten in Kigali begaben sich nach der Kundgebung vor der deutschen Botschaft azcg zu den Büros der Deutschen Welle in einem Vorort der ruandischen Hauptstadt. Informationsministerin Louise Mushikiwabo kündigte für Dienstag und Mittwoch weitere Proteste von Studenten und Frauenorganisationen an.
10. November 2008 - 16.56 Uhr
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