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TV-Wettermoderator Kachelmann aus U-Haft entlassen - 1/1
AFP vom 29.07.2010   |   1324 Aufrufe   |   Rubrik: Nachrichten - Vor Gericht

TV-Wettermoderator Kachelmann aus U-Haft entlassen

Prozessbeginn könnte sich verschieben

Der wegen mutmaßlicher Vergewaltigung angeklagte TV-Wettermoderator Jörg Kachelmann ist nach rund viermonatiger Untersuchungshaft wieder auf freiem Fuß. Das Oberlandesgericht Karlsruhe ordnete die Haftentlassung an, weil "kein dringender Tatverdacht" bestehe, dass Kachelmann seine Ex-Freundin Anfang Februar vergewaltigt habe. Der 52-jährige Schweizer verließ kurz darauf das Gefängnis in Mannheim. Vor Gericht muss er sich dennoch verantworten; wann der Prozess gegen ihn beginnt, ist aber noch unklar.

Wenige Stunden nach der OLG-Anordnung schritt Kachelmann am frühen Nachmittag durch die Gefängnistür in Mannheim. Der in ein langärmeliges weißes T-Shirt gekleidete ARD-Moderator wirkte entspannt und lächelte, gab aber keine Erklärung ab. Begleitet wurde Kachelmann von seinem Anwalt Reinhard Birkenstock, der das OLG für seine Entscheidung lobte: "Mit dem Beschluss ist die Unschuldsvermutung wieder auferstanden in diesem Verfahren, und die Rechtsstaatlichkeit ist zurückgekehrt."

Der Wetterexperte war Mitte März nach seiner Rückkehr von den Olympischen Winterspielen im kanadischen Vancouver auf dem Frankfurter Flughafen festgenommen worden war. Kachelmanns langjährige Geliebte hatte ihn angezeigt, weil er sie angeblich nach einem Beziehungsstreit vergewaltigt und ihr dabei ein Messer an den Hals gehalten haben soll. Medizinische und aussagepsychologische Gutachten stützen diese Version laut OLG aber nicht eindeutig. In dem Fall stehe vielmehr "Aussage gegen Aussage". Das Landgericht Mannheim hatte dagegen in einer früheren Entscheidung die Entlassung Kachelmanns aus der U-Haft noch abgelehnt, weil es die Aussagen seiner Ex-Freundin für glaubhaft hielt.




Verhandelt wird der Prozess dann vor dem Landgericht Mannheim. Bei einer Verurteilung droht Kachelmann eine Haftstrafe von mindestens fünf Jahren. Ob der ursprünglich geplante Termin für den Prozessbeginn am 6. September noch gehalten werden kann, ist nach Angaben des Gerichts unklar. Hintergrund ist, dass die Untersuchungshaft grundsätzlich nicht länger als sechs Monate bis zur Hauptverhandlung dauern darf. Da Kachelmann nicht mehr in Haft sitzt, haben nun andere Angeklagte Vorrang, die hinter Gittern auf ihren Prozess warten.

Ein ARD-Sprecher sagte dem Berliner Blatt "B.Z.", Kachelmann werde zunächst weiterhin nicht bei der ARD auftreten: "Wir warten das Ende des Verfahrens ab. Bis dahin ist nicht vorgesehen, dass Herr Kachelmann für uns moderiert."

29. Juli 2010 - 16.55 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2010



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