Straw: Freilassung Megrahis war Thema in Handelsgesprächen
AFP VOM 5.9.2009 | Nachrichten - International | 737 Aufrufe Mehr zum Thema:Lockerbie, Megrahi
Gefangenenaustausch scheiterte an Schottlands Vetorecht
Eine Überstellung des Lockerbie-Attentäters Abdelbasset Ali Mohammed el Megrahi nach Libyen war laut Großbritanniens Justizminister Jack Straw Thema in Handelsgesprächen mit Tripolis. Es sei auch über einen Förderauftrag für den britischen Ölkonzern BP verhandelt worden, räumte Straw in einem Interview der Zeitung "Daily Telegraph" ein. Er selbst habe seinen ursprünglichen Widerstand gegen die Einbeziehung Megrahis aufgegeben, schließlich sei der Lockerbie-Attentäter aber nicht Teil eines Abkommens geworden. Straw widersprach damit erneut Spekulationen, Megrahi sei im Rahmen eines Handelsdeals freigekommen.
Straw betonte, dass die Verhandlungen mit Libyen politisch vernünftig gewesen seien. "Libyen war ein Schurkenstaat. Wir wollten es zurückholen in die Gemeinschaft", sagte Straw in dem Interview weiter. "Und dies beinhaltete in der Tat auch Handelsfragen, da Handelsfragen eine entscheidende Rolle spielen." Im Zuge dessen sei es auch um den möglichen Auftrag für BP gegangen.
Vergangene Woche war aus Briefen Straws an die schottische Regierung deutlich geworden, dass der Justizminister seinen ursprünglichen Widerstand gegen Megrahis Freilassung aufgab, um die Beziehungen zu Tripolis nicht zu gefährden. Angesichts anhaltender Spekulationen, Megrahi sei auch freigekommen, um einen Öl- und Gasdeal mit Libyen in Milliardenhöhe nicht zu gefährden, hatte sich die britische Regierung zur Veröffentlichung der Briefe entschlossen.
Demnach hatte Straw ursprünglich Megrahi ausdrücklich von einem Abkommen zu einem libysch-britischen Gefangenenaustausch ausschließen wollen, gab sein "Nein" aber letztendlich auf. Dass Megrahi nicht in die Beratungen eingeschlossen wurde, lag Straw zufolge am grundsätzlichen Vetorecht der schottischen Regionalregierung in der Frage, das London nicht zu Verhandlungen über Megrahis Freilassung autorisierte.
Am 20. August hatte die schottische Regierung beschlossen, den krebskranken Lockerbie-Attentäter aus humanitären Gründen zu begnadigen und damit eine lebhafte Debatte ausgelöst. Megrahi ist der einzige Attentäter, der je wegen des 1988 verübten Anschlag auf ein US-Linienflugzeug über dem schottischen Lockerbie verurteilt wurde, bei dem 270 Menschen starben.
5. September 2009 - 09.51 Uhr
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