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Straftat während Bewährung aber Anzeige danach

 Von 
Bettina124
Status:
Beginner
(56 Beiträge, 14x hilfreich)
Straftat während Bewährung aber Anzeige danach

Hallo, was passiert wenn jemand während einer Bewährung eine Straftat begeht aber diese erst nach dieser Bewährung angezeigt wird? Bewährung wurde damals widerrufen wegen etwas anderen und die restliche Haftstrafe musste angetreten werden. Nach dieser Haftstrafe ist er erst angezeigt worden wegen einer Straftat während der Bewährung. LG

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Anzeige Bewährung Straftat


15 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Bettina124
Status:
Beginner
(56 Beiträge, 14x hilfreich)

noch ein Nachtrag, vllt hab ich es bisschen zu kompliziert geschrieben :) ... wird der täter so behandelt als hätte er noch Bewährung? oder wird die Anzeige (123recht.net Tipp: Strafanzeige stellen ) so behandelt als wäre es nach der Bewährung passiert? Hoffe jemand versteht wie ich das meine :)

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#2
 Von 
reckoner
Status:
Senior-Partner
(6919 Beiträge, 2765x hilfreich)

Hallo,

quote:
wird der täter so behandelt als hätte er noch Bewährung? oder wird die Anzeige so behandelt als wäre es nach der Bewährung passiert? Hoffe jemand versteht wie ich das meine
Nee, verstehe ich nicht so ganz. Was soll eine bestehende Bewährung ändern, Straftat ist Straftat und wird auch nicht anders verfolgt (die Vorstrafen spielen natürlich eine Rolle, nicht aber die Bewährung).

Unabhängig davon kann die Bewährung widerrufen werden (war hier abert doch eh' schon geschehen). Und dabei zählt natürlich der Tatzeitpunkt, nicht wann entdeckt, angezeigt oder gar verurteilt wurde.

Stefan

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#3
 Von 
wastl
Status:
Richter
(8183 Beiträge, 1194x hilfreich)

Da die Strafe, die ursprünglich mal zur Bewährung ausgesetzt war, wegen des Widerrufs abgesessen wurde, ist insoweit nichts zu befürchten. Diese Strafe ist ja erledigt.
Bei dem neuen Verfahren, dessen Tat während der damaligen Bewährungszeit begangen wurde, wird bei der Strafzumessung allerdings zu berücksichtigen sein, dass es eine Tat während einer laufenden Bewährung war.

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#4
 Von 
Bettina124
Status:
Beginner
(56 Beiträge, 14x hilfreich)

danke für die Antwort. habe nämlich solche Angst was dabei raus kommt, die Anzeige ist nämlich schon 3 Monate her...

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#5
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unsterblich
(22150 Beiträge, 4908x hilfreich)

Also nochmal:

Wenn die Bewährung sowiso schon widerrufen worden war und die Strafe abgesessen wurde, kann sie ja nicht noch ein 2tes Mal widerrufen werden.

Grundsätzlich würde -wenn die Bewährung nicht sowiso schon widerrufen und die Strafe abgesessen worden wäre- der Zeitpunkt gelten, an dem die Tat begangen wurde, nicht der, an dem sie angezeigt worden ist.

Trotz des nicht möglichen "zweiten Widerrufs" kann die Strafe für die bisher nicht verurteilte Tat dennoch härter ausfallen, da sie während einer lfd. Bewährung stattfand (auch wenn ein Widerruf dieser Bewährung nicht mehr möglich ist)

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"Bitte um Verständnis,dass ich keine Rechtsfragen per PM beantworte.Das ist nicht Sinn des Forums"

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#6
 Von 
Bettina124
Status:
Beginner
(56 Beiträge, 14x hilfreich)

ok danke, so wollte ich es wissen ob die Strafe evtl. härter ausfallen könnte wegen der damaligen Bewährung falls es zu einer Verhandlung käme.

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#7
 Von 
seidi256
Status:
Praktikant
(668 Beiträge, 269x hilfreich)

auch wenn es die TE nicht betrifft mal eine kurze nebenfrage dazu

angenommen ein Täter begeht eine Straftat vor einer Bewährung die unentdeckt bleibt,durch andere Straftaten bekommt der selbe Täter Bewährung und diese wird auch nach Ende der Bewährungszeit erlassen.
durch verschiedene Umstände und Ermittlungen kann dann ca 9 bis 10 Monate nachdem Beschlusses über den Straferlass der Täter ermittelt werden und der Tatzeitpunkt liegt eben vor Rechtskraft der Bewährung
was macht man den dann?würde man den Täter auch härter Bestrafen?

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#8
 Von 
reckoner
Status:
Senior-Partner
(6919 Beiträge, 2765x hilfreich)

Hallo seidi256,

das ist sogar noch einfacher zu beantworten, eine Bewährung gilt nur für die Zukunft, selbst durch eine Straftat einen Tag vor der Verurteilung kann die Bewährung nicht widerrufen werden.

Stefan

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#9
 Von 
seidi256
Status:
Praktikant
(668 Beiträge, 269x hilfreich)

vielleicht hab ich mich da ein wenig missverständlich ausgedrückt! es würde in so einen theoretischen Fall die Bewärhung ja nicht Wiederufen werden,kann sie ja auch gar nicht da die Strafe ja schon durch Beschluss erlassen ist
oder kann doch der Straferlass wiederrufen werden?

es geht in diesem Fiktiven Fall ehr darum ob man dann tortzdem härter bestraft werden würde weil man dann in der theorie durch die Bewährungsstrafe eine Voreintragung im BZR hat und Vorbestraft ist
obwohl eben die ,,neue' Straftat begangen wurde bevor die Bewährungsstrafe ausgeurteilt wurde und bisher weder Staatsanwaltschaft noch Gericht noch Bewährungshilfe kenntnis davon hatten das es noch eine Straftat gibt die von dme Täter begangen wurde

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#10
 Von 
reckoner
Status:
Senior-Partner
(6919 Beiträge, 2765x hilfreich)

Hallo,

sorry, aber du machst es imho zu kompliziert.

Bei einem Prozess geht es immer um die vorgeworfene Straftat, nicht um eine frühere oder spätere (Gesamtstrafenbildung mal ausgenommen). Aber beim Strafmass spielt natürlich die Historie eine Rolle, Wiederholungstäter werden härter bestraft oder bekommen auch mal - obwohl das bei der vorgeworfenen Straftat eigentlich noch üblich wäre - keine Bewährung.

Eine Bewährung kann aber definitionsgemäß nur für die Zukunft gelten, die Vergangenheit kann der Täter ja nicht mehr ändern. Ergo kann sie durch eine ältere Straftat auch nicht widerrufen werden (die ältere, aber später entdeckt und verurteilte kann aber wieder ohne Bewährung ausgehen).

quote:
oder kann doch der Straferlass wiederrufen werden?
Nein, kann er nicht, einmal erlassen ist endgültig (sonst bräuchten wir ja keine Bewährungsfristen).

Aber wieder: Auch nach der Bewährung bleibt natürlich die Tat im BZR und eine weitere Straftat wäre u.U. eine Widerholungstat (Folgen siehe oben).
Es ist daher keine sinnvolle Strategie, einfach nur bis zum Ende der Bewährung zu warten, in der Hoffnung, dann wieder bei Null anfangen zu können.

Stefan

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#11
 Von 
Bettina124
Status:
Beginner
(56 Beiträge, 14x hilfreich)

käme es dann in so einem Fall dann mit Sicherheit zu einer Verhandlung? Der Angezeigte ist vorbestraft wegen Körperverletzung (1 Jahr Haft + 1000 € Schmerzensgeld) u. Drogenhandel (3,5 Jahre Haft)... angezeigt wurde er wegen häuslicher Gewalt und Nötigung (zur Abtreibung).

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#12
 Von 
Rechtsanwalt Marc N. Wandt
Status:
Lehrling
(1114 Beiträge, 543x hilfreich)

Da ist wohl von auszugehen, wenn was dran ist.

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#13
 Von 
Bettina124
Status:
Beginner
(56 Beiträge, 14x hilfreich)

ok danke für die antwort. bin schon so aufgeregt deswegen weil es sich so lange zieht und ich hoffe das es noch vor der geburt meines kindes ist, bin momentan noch im 7. Monat schwanger und möchte das einfach hinter mich bringen die ganze vergangenheit

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#14
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unsterblich
(22150 Beiträge, 4908x hilfreich)

quote:
Nein, kann er nicht, einmal erlassen ist endgültig (sonst bräuchten wir ja keine Bewährungsfristen).


Das ist nicht richtig. Unter den in § 56g, Abs. 2 StGB genannten Umständen kann der Straferlass und damit auch zwingend die Bewährung widerrufen werden

@seidi256

Ich weiß, worauf Du hinauswillst (auf das statement von wastl in seinem ersten Beitrag).

Unterschied ist, dass hier die Straftat innerhalb eines Bewährungszeitraumes begangen wurde, also in einem Zeitraum in dem der Verurteilte sich besonders zu bewähren hätte. Das kann -auch wenn die Bewährung oder der Straferlass nicht (mehr) widerrufbar ist und auch keine nachträgliche Gesamtstrafe mehr gebildet werden kann- im neuen Verfahren strafschärfend gewertet werden.

In Deinem Beispiel fand die neue Tat außerhalb eines Bewährungszeitraums statt.


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"Bitte um Verständnis,dass ich keine Rechtsfragen per PM beantworte.Das ist nicht Sinn des Forums"



-- Editiert !!Streetworker!! am 06.01.2014 13:21

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#15
 Von 
reckoner
Status:
Senior-Partner
(6919 Beiträge, 2765x hilfreich)

Hallo,

quote:
Das ist nicht richtig. Unter den in § 56g, Abs. 2 StGB genannten Umständen kann der Straferlass und damit auch zwingend die Bewährung widerrufen werden
Natürlich (vielleicht hatte ich mich etwas unglücklich ausgedrückt).
Die Bewährung gilt aber ausdrücklich nur für die festgesetzte Zeit (von Rechtskraft des Urteils bis X Jahre). Wenn also in diesem Zeitraum keine Strataten begangen werden, dann kann die Bewährungsstrafe nicht widerrufen werden. Und damit fallen alle Strataten, die vor oder nach der Frist begangen wurden/werden nicht unter den Bewährungsvorbehalt (dass das kein Freibrief ist hatte ich ja schon gesagt).

Stefan

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Ich habe Anzeige erstattet, wie geht es weiter?
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