Steuerpflichtiger kann wegen Zurechnung von Grundstücksverkäufen gewerblicher Grundstückshändler sein

Mehr zum Thema:

Steuerrecht Rubrik, Steuerpflichtiger, Grundstückshandel, Händler, Drei-Objekt-Grenze, Personengesellschaft, Betriebsvermögen

4,33 von 5 Sterne
Bewerten mit: 5 Sterne 4 Sterne 3 Sterne 2 Sterne 1 Stern
3

Bei Beteiligung an eine Personengesellschaft sollte immer die Drei-Objekt-Grenze im Hinterkopf behalten werden

Auch ein Steuerpflichtiger, der selbst kein einziges Grundstück verkauft hat, kann allein aufgrund der Zurechnung von Grundstücksverkäufen einer Personengesellschaft, an der er beteiligt ist, ein gewerblicher Grundstückshändler sein.

(BFH, Urteil vom 22.08.2012 - X R 24/11)

Sandro Dittmann
seit 2009 bei
123recht.net
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht, Fachanwalt für Steuerrecht
Schlesischer Platz 2
01097 Dresden
Tel: 0351 / 811 60 438
Web: www.unternehmerrecht.info
E-Mail:
Wirtschaftsrecht, Insolvenzrecht

A und B waren im entschiedenen Sachverhalt zu je 50% an einer Personengesellschaft beteiligt. Die Gesellschaft betrieb einen gewerblichen Grundstückshandel. Daneben waren beide noch hälftige Eigentümer mehrerer Grundstücke, die keinen Bezug zur Personengesellschaft aufwiesen.

Eines dieser Grundstücke wurde nach nur 5-jähriger Haltezeit verkauft, während die anderen Grundstücke längerfristig gehalten wurden.

Das Finanzamt setzte im Einkommensteuerbescheid der Kl. statt des bisher berücksichtigten Anteils an dem Gewinn der Grundstücksgemeinschaft Einkünfte aus einem in eigener Person betriebenen gewerblichen Grundstückshandel an.

Der Bundesfinanzhof gab dem Finanzamt Recht. 

Nach ständiger Rechtsprechung des BFH sind einem Steuerpflichtigen bei der Prüfung der sog. Drei-Objekt-Grenze Grundstücksveräußerungen einer Personengesellschaft oder Gemeinschaft, an der er beteiligt ist, wie eigene Veräußerungen zuzurechnen. 

Bereits im Jahr 1995 hat der BFH entschieden, dass die Zurechnung von Veräußerungen der Gesellschaft beim Gesellschafter auch dann zu einem gewerblichen Grundstückshandel führen kann, wenn er selbst „in seiner Person“ kein Grundstück verkauft hat.

Nach der bisherigen Rechtsprechung gehören zum Betriebsvermögen eines gewerblichen Grundstückshändlers alle Grundstücke, die er innerhalb der maßgeblichen Besitzdauer von fünf bzw. zehn Jahren wieder verkaufe. Grundstücke, die er langfristig halte, könnten dagegen zu seinem Privatvermögen gehören. Es sei aber grundsätzlich nicht möglich, neben einem gewerblichen Grundstückshandel weitere Grundstücke nach einer nur kurzen Besitzdauer wieder zu verkaufen, ohne dass diese zum Betriebsvermögen zu rechnen seien.

Konsequenzen

Bei einem gewerblichen Grundstückshändler können demnach Grundstücke, die erst nach zehn Jahren verkauft werden, zum Privatvermögen gehören. Überschreitet dagegen eine Personengesellschaft die Drei-Objekt-Grenze, gilt dies nach dieser Entscheidung nicht. 

§ 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG bestimmt, dass eine gewerbliche Tätigkeit sämtliche Einkünfte einer Gesellschaft gewerblich färbt – Abfärbetheorie. Damit werden auch die länger gehaltenen Grundstücke zu Betriebsvermögen. 

Der Abfärbewirkung kann man dadurch entgehen, dass die Grundstücke nicht im Rahmen einer Gesellschaft sondern als Einzelunternehmer gekauft werden. 

Werden Grundstücke doch im Rahmen von Personengesellschaften gekauft sollte die Drei-Objekt-Grenze unbedingt beachtet werden. Nur dadurch kann verhindert werden, dass auch die langfristig gehaltenen Grundstücke aufgrund der Abfärberegelung zu Betriebsvermögen werden.

Rechtsanwalt Sandro Dittmann
Insolvenzverwalter
Fachanwalt für Steuerrecht
Fachanwalt für Handels- und
Gesellschaftsrecht

Dittmann Rechtsanwälte - Kanzlei für Wirtschaftsrecht, Insolvenzrecht und Steuerrecht
Rechts- und Steuerberatung aus einer Hand

Mehr Informationen: www.UNTERNEHMERRECHT.info
Sie haben Fragen? Nehmen Sie gleich Kontakt auf.
Rechtsanwalt
Sandro Dittmann
Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht, Fachanwalt für Steuerrecht
Dresden
Guten Tag Herr Dittmann,
ich habe Ihren Artikel "Steuerpflichtiger kann wegen Zurechnung von Grundstücksverkäufen gewerblicher Grundstückshändler sein" gelesen und würde darüber gerne mit Ihnen sprechen.
Kontakt aufnehmen
Diskutieren Sie diesen Artikel
Das könnte Sie auch interessieren
Steuerrecht Grundstückskauf und Grunderwerbsteuer
Steuerrecht Keine Grunderwerbsteuer bei Übertragung zwischen Partnern einer eingetragenen Lebenspartnerschaft!