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Staatsanwalt fordert Todesurteil für Krankenschwestern in Libyen

AFP VOM 20.6.2007 | Nachrichten - International | 4189 Aufrufe
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Krankenschwestern, Libyen

Letzter Berufungsprozess gegen Bulgaren begonnen

Im letzten Berufungsprozess von fünf bulgarischen Krankenschwestern und einem palästinensischen Arzt vor dem Obersten Gericht in Libyen hat die Staatsanwaltschaft eine Bestätigung des Todesurteils gefordert. "Ich fordere die Bestätigung der Höchststrafe", sagte der Staatsanwalt laut Journalisten der Nachrichtenagentur AFP zu Prozessbeginn am Mittwoch in Tripolis. Die Krankenschwestern und der Arzt waren im Mai 2004 für schuldig befunden worden, in einem Krankenhaus in Benghazi 438 libysche Kinder absichtlich mit dem HI-Virus infiziert zu haben, von denen 56 starben. Ein Urteil soll nach Angaben des Richters am 11. Juli fallen.

Die Beweise sprächen klar für die Beteiligung der sechs Verurteilten an der absichtlichen Infektion von Kindern mit HIV, sagte der Staatsanwalt. Auch die Anwälte der Opferfamilien forderten eine Bestätigung des Todesurteils. Angehörige zeigten Fotos ihrer an der Immunschwächekrankheit Aids erkrankten oder verstorbenen Kinder. Das Todesurteil von 2004 war im Dezember bestätigt worden.

Der Anwalt des palästinensischen Arztes, der inzwischen die bulgarische Staatsbürgerschaft erhielt, forderte die Aufhebung des Todesurteils. Sein Mandant habe die ihm zur Last gelegten Taten unter Folter gestanden. Die Anwälte der Krankenschwestern forderten ebenfalls die Freilassung ihrer Mandantinnen und verwiesen auf einen 100-Seiten-Bericht, nach dem es keine direkten oder indirekten Beweise für eine Schuld der Bulgarinnen gibt.

Richter Fathi Dahane kündigte an, er werde am 11. Juli ein Urteil verkünden. Ein Verteidiger der Krankenschwestern wertete die Vertagung als positives Zeichen. "Das zeigt, dass das Gericht von unseren Argumenten überzeugt ist und neue Untersuchungen über die Infektion der Kinder veranlassen wird", sagte Othman Bisanti.

Parallel zu dem Berufungsprozess verhandeln Opferangehörige, libysche Behörden und Vertreter der Europäischen Union über eine Entschädigung der Familien. Im Fall einer Einigung könnte die libysche Justiz die Todesstrafe in eine Gefängnisstrafe umwandeln. Ein Mitarbeiter der an den Verhandlungen beteiligten Gaddafi-Stiftung sagte AFP, eine Regelung der Angelegenheit werde am Freitag bekanntgegeben.

Die Krankenschwestern Kristiana Waltschewa, Nassja Nenowa, Walja Tscherweniaschka, Walentina Siropulo und Sneschana Dimitrowa waren in den 90er Jahren nach Libyen gekommen, um hier Geld zu verdienen. Der Arzt Aschraf Schumaa el Hadschudsch lebte mit seiner Familie bereits seit langem in Libyen. Er absolvierte im Rahmen seines Medizinstudiums ein Praktikum in der betroffenen Kinderklinik.

20. Juni 2007 - 15.09 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2007

© AFP Agence France-Presse GmbH 2007





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