Staatsanwalt beantragt Auslieferung von Aufgespürtem im Aosta-Tal
AFP VOM 24.4.2009 | Nachrichten - International | 3496 Aufrufe Mehr zum Thema:Kinder
Mutter: Zurücklassen der Kinder in Pizzeria war "beste Lösung"
Nach der Ergreifung des deutschen Paares im italienischen Aosta-Tal hat die Staatsanwaltschaft Siegen am Freitag die Auslieferung des per Haftbefehl gesuchten Begleiters der Frau beantragt. Die 26-Jährige gab derweil vor italienischen Behörden Geldnot als Grund dafür an, dass sie ihre drei Kinder in einer Pizzeria in Aosta zurückgelassen hatte. Unklar blieb zunächst, wann die Kinder wieder in Deutschland eintreffen werden.
Das Ersuchen um die Auslieferung des 24-jährigen Freundes der Mutter sei bereits auf dem Weg an die italienische Justiz, sagte der Siegener Oberstaatsanwalt Johannes Daheim. Der Begleiter der Frau war zuletzt wegen schwerer räuberischer Erpressung in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne inhaftiert und wurde seit Anfang April gesucht. Er hat laut Staatsanwaltschaft noch zwei Strafen zu verbüßen. Der vorübergehend untergetauchte Straftäter blieb nach Angaben der Präfektur von Aosta in Polizeigewahrsam, die italienische Justiz wartet demnach nun auf einen von Deutschland veranlassten europäischen Haftbefehl.
Das Pärchen hatte am Sonntagabend die drei Kinder der Frau in einer Pizzeria in Aosta zurückgelassen. Am Donnerstag fand die italienische Polizei die 26-Jährige aus Finnentrop im Kreis Olpe und ihren Freund im Wald von Brissogne nahe Aosta. Die Staatsanwaltschaft Siegen hatte zunächst befürchtet, die Mutter und ihr Begleiter könnten eine "Kurzschlusshandlung" wie Selbstmord begehen. Die Behörde zeigte sich daher am Freitag erleichtert, dass das Paar unversehrt gefunden wurde.
Die Mutter verteidigte das Zurücklassen der Kinder in der Pizzeria als die "beste Lösung". Sie habe bei der Befragung durch die Polizei angegeben, dass die Kinder Hunger gehabt hätten und sie und ihr Freund aber kein Geld, teilte ein Sprecher der Präfektur von Aosta mit. "Die Kinder haben schon angefangen zu weinen, weil sie Hunger hatten", habe die 26-Jährige berichtet. "Sie ist jetzt auf freiem Fuß", sagte der Sprecher. Zuvor sei allerdings gegen die Deutsche ein Ermittlungsverfahren wegen Verlassens von Minderjährigen eingeleitet worden.
Gegen die Mutter besteht nach Angaben der Siegener Staatsanwaltschaft kein Haftbefehl. Sie werde nach ihrer Rückkehr nach Deutschland Gelegenheit erhalten, sich in einem förmlichen Ermittlungsverfahren zu den Vorwürfen bezüglich des Zurücklassens der Kinder zu äußern. Laut Staatsanwaltschaft wird in Deutschland gegen die 26-Jährige unter anderem wegen des Anfangsverdachts der Verletzung von Fürsorge- und Erziehungspflichten ermittelt.
Unterdessen trafen in Aosta zwei Mitarbeiter des Kreises Olpe ein, dem das Sorgerecht für die zurückgelassenen Kinder übertragen worden war. Die Mitarbeiter des Jugendamtes hätten Kontakt mit den örtlichen Behörden und auch mit den Kindern aufgenommen, sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung. Noch unklar sei aber, wann das vierjährige Mädchen und seine sechs Jahre und acht Monate alten Brüder nach Deutschland zurückkehren werden. Den Angaben zufolge reisten unterdessen auch die Großeltern der Kinder nach Aosta.
24. April 2009 - 13.55 Uhr
© AFP Agence France-Presse

