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"Spiegel": Libyen zu Entschädigung für "La-Belle"-Anschlag bereit
AFP VOM 16.8.2003 | Nachrichten - International | 2168 Aufrufe Mehr zum Thema:Libyen, Lockerby, La, Belle
- Anwälte verlangen 500.000 Euro pro Opfer
Nach dem Abschluss der Entschädigungsverhandlungen mit den Hinterbliebenen des Lockerbie-Anschlages will das libysche Regime jetzt einem Medienbericht zufolge auch die Opfer des Anschlages auf die Berliner Diskothek "La Belle" entschädigen. Bereits vor Monaten habe die libysche Regierung die Bundesregierung über ihre grundsätzliche Bereitschaft unterrichtet, auch in diesem Fall Schadenersatz zu zahlen, berichtete "Der Spiegel" am Samstag vorab aus seiner neuen Ausgabe. Die Bundesregierung hatte Tripolis demnach zuvor übermittelt, dass sie auf einer Entschädigung der Opfer bestehe. Eine Gruppe von Anwälten, die 67 der nicht-amerikanischen Opfer vertritt, arbeite bereits mit Juristen des Auswärtigen Amtes an einer Lösung.
Die Anwälte der "Interessengemeinschaft Entschädigung für die La-Belle-Opfer" legten dem Auswärtigen Amt laut "Spiegel" ein Verhandlungspapier vor, in dem sie pauschal 500.000 Euro für jeden Verletzten fordern. Wegen der unterschiedlichen Schwere der Verletzungen solle später mit Hilfe eines Treuhänders entschieden werden, wie viel jedes der Opfer erhält. Die Familie einer bei dem Anschlag getöteten Türkin und der ehemalige Eigner der Diskothek sollten je eine Million Euro erhalten.
Anders als im Fall Lockerbie werde bislang nicht verlangt, dass sich Libyen ausdrücklich zu dem Anschlag bekennt. Einer der Sprecher der Interessengemeinschaft, Rechtsanwalt Burkhard J. Kötke, zeigte sich laut dem Hamburger Nachrichtenmagazin zuversichtlich, dass die Angelegenheit noch in diesem Jahr abgeschlossen werden kann. Als sehr viel schwieriger gelte jedoch die Entschädigung der US-Opfer. Sie haben in den USA Klagen eingereicht, in denen sie rund drei Milliarden Dollar Schadenersatz fordern.
Bei dem Anschlag auf die Hauptstadt-Diskothek starben 1986 drei Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. Das Berliner Landgericht machte in seinem Urteil vom November 2001 den libyschen Geheimdienst für die Tat verantwortlich. Mit der Übergabe eines diplomatischen Schreibens an den UN-Sicherheitsrat hatte Libyen am Freitagabend die Verantwortung für den Flugzeuganschlag von Lockerbie von 1988 übernommen. Zuvor hatte es sich mit den Hinterbliebenen auf eine Entschädigung von insgesamt 2,7 Milliarden Dollar (knapp 2,4 Milliarden Euro) geeinigt.
16. August 2003 - 10.53 Uhr
© AFP Agence France-Presse GmbH 2003
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