So frühstücken Arbeitnehmer?

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Gelten trockene Brötchen im Steuerrecht etwa als Frühstück?

Für einige ist das Frühstück am frühen Morgen ja heilig. Sie nehmen sich stundenlang Zeit, um eine Art Ritual zu begehen: Frisches Obst und Müsli -- oder vielleicht lieber Spiegelei? Andere Mitmenschen, die gerne länger liegen bleiben, schaffen regelmäßig nur einen Becher Kaffee. Die Vorstellungen, was eigentlich ein Frühstück ausmacht, gehen also weit auseinander. Das Finanzgericht Münster musste nun über den Begriff urteilen. Klingt spanisch? So ist das im Steuerrecht!

Frühstück der Arbeitnehmer?

Der etwas merkwürdig anmutenden Entscheidung liegt kommender Sachverhalt zugrunde: Ein Softwareunternehmen stellte in seiner Kantine über einen längeren Zeitraum jeden Tag Brötchen für seine etwa 80 Angestellten bereit. Die täglich 150 Brötchen waren für Kunden, Gäste und Mitarbeiter gedacht. Es gab Laugen-, Käse-, Schoko- und Roggenbrötchen, aber keinen Aufschnitt, Marmeladen oder sonstige Belege. Dazu gab es einen Kaffee- und Kakaoautomaten, an dem jeder sich nach Belieben und kostenfrei bedienen konnte.

Bernd Fleischer
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Das Finanzamt forderte eines Tages die überraschten Betroffenen zur Kasse. Es argumentierte: Das unentgeltliche Bereitstellen eines Frühstücks an einen Arbeitnehmer sei ein Sachbezug und als solcher zu versteuern. Sie berechneten Steuerkosten in Höhe von etwa 1,50 Euro pro Mitarbeiter pro Arbeitstag.

Einblicke in das Frühstück eines Richters

Die Richter des Finanzgerichts Münster gaben dem Kläger Recht und verwarfen die Entscheidung des Finanzamts. Zwar sei ein Frühstück tatsächlich lohnsteuerpflichtig. Ein trockenes Brötchen und ein Kaffee mache aber nach allgemeiner Ansicht noch kein Frühstück. Vielmehr gehöre jedenfalls ein Aufstrich, eine Marmelade oder etwas Aufschnitt dazu. Es handele sich dabei im vorliegenden Fall nur um sonstige „Kost“, die unterhalb einer Freigrenze von monatlich 44 Euro steuerfrei sei.

Das lässt den Arbeitnehmer natürlich aufatmen- Auch wenn wir mit großen Schritten auf eine Welt zusteuern, in der Frühstück Luxus ist (Zeit ist Geld, man kennt das ja) – für viele Angestellte dürfte heutzutage ein trockenes Brötchen und ein Kaffee to go in der U-Bahn unter der Woche die Regel sein – ist es doch schön zu wissen, dass man sich auf die deutsche Justiz immer noch verlassen kann, wenn es um den Schutz von Feiertagen, Wochenenden oder eben Frühstücksstandards geht. Und eine Lohnsteuer für trockene Brötchen erscheint doch selbst den hartgesottenen Finanzrechtlern etwas weit hergeholt.

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Bernd Fleischer
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