Sieben EADS-Manager laut Börsenaufsicht des Insiderhandels schuldig
AFP VOM 28.7.2009 | Nachrichten - Nachrichten | 1297 Aufrufe Mehr zum Thema:Insiderhandel, EADS
Deutschem Werksleiter Sperl droht Geldstrafe - Enders entlastet
Sieben Top-Manager des Airbus-Mutterkonzerns EADS haben der französischen Börsenaufsicht zufolge ihr firmeninternes Wissen für illegalen Aktienhandel missbraucht. Unter sind der ehemalige Airbus-Co-Chef Noël Forgeard und der Leiter des Dresdner EADS-Werks, Andreas Sperl, wie aus dem Untersuchungsbericht der Börsenaufsicht AMF hervorgeht, der AFP am Dienstag vorlag. Den deutschen Chef von Airbus, Thomas Enders, entlastete die Behörde.
Sieben EADS-Manager hätten im März vor drei Jahren einen Teil ihrer Unternehmensaktien im Wissen verkauft, dass es Lieferprobleme beim "Super-Airbus" A380 geben würde, heißt es im Untersuchungsbericht der Börsenaufsicht, die parallel zur Justiz ermittelt hatte. Unter ihnen sei der ehemalige Airbus-Chef Forgeard, der im Sommer 2006 seinen Hut nehmen musste.
Forgeard habe im März 2006 ein millionenschweres Aktienpaket verkauft, nachdem die Lieferprobleme wenige Wochen zuvor intern bekannt geworden waren. Die Öffentlichkeit wurde erst im Juni über die Probleme informiert, der Kurs der Aktie fiel daraufhin binnen eines Tages um gut 26 Prozent. Die Börsenaufsicht fordert eine Geldstrafe in Höhe von 5,45 Millionen Euro für den ehemaligen Topmanager. Außerdem läuft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn.
Neben Forgeard habe auch der deutsche Topmanager Sperl, der heute die Elbe Flugzeugwerke in Dresden leitet und seinerzeit Finanzvorstand bei der EADS-Tochter Airbus war, mit seinem Hintergrundwissen unrechtmäßig Firmenaktien verkauft, heißt es in dem AMF-Bericht. Die Börsenaufsicht strebt eine Strafe von 710.000 Euro gegen Sperl an. Gegen den Deutschen ermittelt ebenfalls die Justiz.
Ein Ermittlungsverfahren läuft auch gegen den früheren EADS-Strategiechef Jean-Paul Gut, den die Aufsichtsbehörde wegen des Insiderhandels laut Bericht mit einer Strafe von 1,1 Millionen Euro belegen will. Im vergangenen Sommer hatte die Geldwäsche-Abteilung im französischen Finanzministerium die Pariser Staatsanwaltschaft auf Guts Konten im britischen Steuerparadies Jersey aufmerksam gemacht.
Die ehemalige Nummer Zwei des Konzerns hatte EADS im Sommer 2007 mit einer Abfindung verlassen. Forgeard, Gut und Sperl waren in Paris teils bis zu 48 Stunden lang verhört worden. Für ihre Freilassung mussten sie hohe Kautionen hinterlegen.
Die Börsenaufsicht will auch gegen weitere Airbus-Manager vorgehen, unter ihnen Marketingchef John Leahy. Der US-Bürger muss wegen millionenschwerer Insidergeschäfte mit einer Strafe von 3,6 Millionen Euro rechnen. Der Verdacht gegen Airbus-Chef Enders sowie dessen Vorgänger Gustav Humbert erhärtete sich dagegen nicht, wie aus dem Bericht hervorgeht. Den Deutschen hatte die Pariser Finanzpolizei im Mai verhört. Er hatte den Vorwurf des Insiderhandels stets zurückgewiesen. Entlastet wurden auch die Großaktionäre Lagardère und Daimler.
EADS erklärte, das Unternehmen werde sich weiterhin gegen die Vorwürfe verteidigen. Für die verdächtigten Manager gelte "bis zu einer endgültigen Entscheidung die Unschuldsvermutung". Die Börsenaufsicht will auch EADS mit einer Geldstrafe von 700.000 Euro belegen, weil der Rüstungskonzern die Verspätung bei der A380 nicht unverzüglich bekanntgemacht habe.
28. Juli 2009 - 16.42 Uhr
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