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Rechtsstellung des Adhäsionsantragstellers

  1. Der Adhäsionsantragsteller hat Rechte, die er wahrnehmen sollte. So sollte er frühzeitig über seinen Rechtsbeistand gemäß § 406e StPO Akteneinsicht nehmen. Unmittelbar vor Beginn der Hauptverhandlung sollte der gewissenhafte Anwalt noch einmal seine Kenntnisse auf den neuesten Stand bringen, indem er eventuell nach Rücksprache mit dem vorsitzenden Richter nochmals Akteneinsicht nimmt. Wurde der Adhäsionsantrag vor Beginn der Hauptverhandlung gestellt, so ist der Antragsteller von Ort und Zeit der Hauptverhandlung zu benachrichtigen.

  2. Der Adhäsionsantragsteller, der nicht bereits als Zeuge geladen und in der Hauptverhandlung anwesend ist, wird in der Hauptverhandlung regelmäßig als Zeuge vernommen. Der Adhäsionsantragsteller darf - muss es aber nicht - zusammen mit seinem Rechtsbeistand ununterbrochen an der Hauptverhandlung teilnehmen. Die Vorschrift des § 58 Abs. 1 StPO, wonach die Zeugen einzeln und nacheinander zu vernehmen sind, gilt für den Adhäsionsantragsteller nicht.

  3. Der Termin sollte zumindest von dem Rechtsbeistand des Adhäsionsantragstellers wahrgenommen werden. Denn es besteht die Möglichkeit, Fragen an das Gericht, Staatsanwaltschaft, Zeugen oder den Angeklagten zu stellen. Davon sollte im Rahmen der Sachverhaltsaufklärung zugunsten des Antragstellers umfassend Gebrauch gemacht werden. Es zeigt sich, dass der Angeklagte, der in erster Linie darum bemüht ist, seine Strafe gering halten, meist nicht noch die Kraft und den Willen hat, sich gegen die zivilrechtlichen Ansprüche substantiiert zu verteidigen. Den so "weichgekochten" Angeklagten kann man mit etwas Erfahrung schnell zum Abschluss eines Vergleichs bewegen. Das kann sich zugunsten des Angeklagten zudem strafmildernd im Sinne von § 46a StGB auswirken, womit der Angeklagte einen guten Grund hat, sich mit dem Antragsteller zu vergleichen und damit wenigstens die "kleine Anklage" vom Tisch zu bekommen. Vor diesem Hintergrund sollte der gut geschulte Verteidiger seine Strategie darauf ausrichten, den richtigen Moment für den Vergleich abzupassen.

    Sollte das Gericht ausnahmsweise nicht auf Fragen des Adhäsionsantragstellers eingehen, kann der Rechtsbeistand gemäß § 238 Abs. 2 StPO vorgehen und eine Entscheidung durch Beschluss herbeiführen.

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Ausgangslage
Seite  2:  Vorbereitung
Seite  3:  Materielle Voraussetzungen
Seite  4:  Formelle Voraussetzungen
Seite  5:  Rechtsstellung des Adhäsionsantragstellers
Seite  6:  Entscheidung
Seite  7:  Kosten
Seite  8:  Rechtsfolgen und Rechtsbehelfe
Seite  9:  Ausblick und Zusammenfassung