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Shill-Bidding - Auktionshäuser allgemein

4.1.2016 Thema abonnieren
 Von 
thormarcon
Status:
Beginner
(54 Beiträge, 8x hilfreich)
Shill-Bidding - Auktionshäuser allgemein

Hallo,
im Forum wurde schon öfters die Frage gestellt, ob Shill-Bidding rechtens ist oder nicht.
Ganz allgemein denke ich, dass es jedem Käufer selbst überlassen ist, was er bereit ist für eine Sache zu zahlen.
Auf eBay sehe ich das gar nicht so wild, weil der Verkäufer das Höchstgebot des Bieters gar nicht kennt
und er im schlechtesten Fall seine Artikel auch mal selbst ersteigert.
Die einzige Möglichkeit wäre, dass der Verkäufer einen sehr hohen Betrag bietet, um zu sehen, wo das maximale
Gebot des Bieters liegt, sein Gebot anschließend wieder zurückzieht und dann erneut knapp unterhalb des
Maximalgebotes bietet. Das wäre dann aber eine betrügerische Handlung meiner Ansicht nach, die zu beweisen sicherlich auch nicht leicht wäre.
Viele Münzhändler auf ebay verstoßen regelmäßig gegen die Grundsätze und betreiben Shill-Bidding in hohem Maße und ebay scheint dies zu tolerieren.

Anders verhält es sich dagegen bei den Auktionshäusern außerhalb von ebay.
Sehr viele Häuser haben ihre eigenen Plattformen, wo sie ihre Ware in E-Auktionen und Live-Auktionen anbieten. Außerdem gibt es noch die klassischen Auktionshäuser, die nur Saalauktionen durchführen.
Für die Saalauktionen können entweder vorab Gebote über Fax, E-Mail, Post gemacht werden oder eben direkt im Saal.
In den E-Auktionen ist es ungefähr das gleiche wie auf ebay.
Der Grundsatz "Ich bin bereit das zu bezahlen, was ich maximal biete" gilt wohl auch hier, allerdings gibt es einige Unterschiede zu Auktionen auf ebay. Z.B. gibt es keine Biethistorie und das Auktionshaus kennt alle Gebote seiner Kundschaft, sofern sie vorab abgegeben wurden. Somit kann doch viel leichter künstlich hochgeboten werden, ohne die Gefahr zu haben, dass Münzen selbst ersteigert werden.
Hinzu kommt noch, dass Münzen manchmal bewusst selbst hochgeboten und dann auch selbst gekauft werden (bzw. zwischen den Auktionshäusern hin und her geschoben werden), um ein hohes Preisniveau vorzutäuschen. Es gibt Datenbanken, in denen alle Lose jeder neu durchgeführten Auktion gespeichert werden. Darauf haben auch alle Sammler Zugriff und können sich so einen Überblick über die aktuellen Marktpreise verschaffen. Dann finden die irgendwann einen Käufer, der denkt zu fairen Preisen zu kaufen, doch dabei hat er überteuert gekauft. Das merkt er, wenn er die Münzen wieder verkaufen möchte, an viel niedrigeren realen Preisen.
Unterm Strich ist es so, dass immer das Auktionshaus gewinnt.
Sind diese Geschäftspraktiken rechtlich einwandfrei oder gehen sie schon in den Tatbestand der Täuschung/Betrug/Wucher?

VG,
thormarcon


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11 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
JogyB
Status:
Bachelor
(3160 Beiträge, 2884x hilfreich)

Wenn es um ein Hochtreiben des Preises geht, ist es aus meiner Sicht eindeutig Betrug. Man verursacht durch das Vortäuschen falscher Tatsachen - nämlich dass es noch einen anderen Bieter gäbe - einen Vermögensschaden beim Höchstbietenden. Dass dieser unter Umständen seinen Höchstbetrag gar nicht mehr erhöht hat, ist unerheblich. Er hätte weniger bezahlen müssen, wenn das System nicht manipuliert worden wäre.

Wenn man den Artikel selbst ersteigert... Grenzfall. Grundsätzlich ist es ja nicht verboten, seine eigenen Artikel zu kaufen.

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#2
 Von 
thormarcon
Status:
Beginner
(54 Beiträge, 8x hilfreich)

Danke Jogy , den Beitrag teile ich vollkommen.
Ich möchte nur allzu gerne wissen, wie ein Auktionshaus das steuerlich regelt, wenn es beispielsweise eine Münze für 10.000 Euro selbst ersteigert.
Ich habe mal für ein Auktionshaus gearbeitet und dort gab es für solche Eigenkäufe eine Scheinadresse. Leider habe ich keine Ahnung, wie sowas dann kostengünstig abgewickelt werden kann, ohne viel Steuern zahlen zu müssen.
Wenn eine wertvolle Münze nicht verkauft wird, erscheint sie in der Datenbank natürlich als unverkauft. Das zerstört den Preis, weil sich die Kunden fragen, was wohl mit der Münze nicht stimmen könnte, ein völlig überzogener Preis usw. Demnach bleibt der Zuschlag nicht nur einmal aus, sondern auch in darauf folgenden Auktionen zu etwas günstigeren Kursen. Aus dem Grund kaufen einige Auktionshaushäuser die Münzen im schlimmsten Fall selbst, um irgendwann einen Käufer dafür zu finden, der aber von völlig irrealen Preisen getäuscht wurde.
Mich würde sehr interessieren, welche steuerrechtlichen Möglichkeiten die Häuser haben. Denn diese Scheinadresse ließ bei mir die Alarmglocken läuten.

Hätte dazu noch jemand Ideen?

VG,
thormarcon

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#3
 Von 
thormarcon
Status:
Beginner
(54 Beiträge, 8x hilfreich)

PS: Das betreffende Auktionshaus kaufte seine eigenen! Münzen und händelte das mit der Scheinadresse. Könnte das auch Geldwäsche sein?
Was da im Handel abläuft, ist oftmals nicht koscher, was selbstverständlich nicht auf alle Unternehmen der Branche zutrifft.

VG,
thormarcon

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#4
 Von 
Droid
Status:
Schüler
(362 Beiträge, 239x hilfreich)

Du wirfst hier mMn zu viel in einen Topf und vieles kann man auch kaum beantworten mit der dünnen Informationslage. Aber du könntest deinen alten Arbeitgeber ja einfach mal fragen...
Zur eBay Thematik wurde bereits alles gesagt, außer das ein Kauf im zweifel auch völlig problemlos abgebrochen werden kann und so keine Kosten für den Pusher/Verkäufer entstehen. Und der "geprellte" Bieter in vielen Fällen ein Beweisproblem hat, dank der grenzenlosen Naivität/Dummheit manch eines Verkäufers gibt es aber immer noch genug Verkäufer die einen auf den Deckel kriegen. Zumindest zivilrechtlich, strafrechtlich sind mir leider noch keine Konsequenzen in Deutschland bekannt.

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#6
 Von 
TheSilence
Status:
Lehrling
(1657 Beiträge, 899x hilfreich)

Zitat:
Der Käufer zahlt für eine Ware den Preis, der ihm angemessen erscheint. Ob da nun ein tatsächlicher Bieter mitbietet oder ein "Scheinbieter" - wenn der Käufer nicht z.B. 5000 Euro für eine Ware ausgeben will, gibt er sie eben nicht aus. Wenn er 5000 Euro dafür ausgibt, war es ihm die Ware offenkundig ja wohl auch wert...


Das ist aber in dieser Konstellation gerade doch ein Unterschied. Denn ohne die Täuschung hätte der K nur, sagen wir, 3000 EUR bezahlt aufgrund der Modalitäten einer solchen Auktion.
Natürlich könnte der VK von Anfang an sagen "ich will mindestens 5000 EUR", aber wenn er das nicht tut, dann legt er damit Bedingungen für den Kauf fest ("an den Höchstbietenden, egal was sein tatsächliches Maximalgebot war"), über deren Vorliegen er den K durchaus i.S.d. §263 StGB täuschen kann.

Eine ex-post-Betrachtung ("dem K war das sowieso 5000 EUR wert") findet dafür gerade nicht statt.
Ansonsten wäre es auch kein Betrug, jemandem eine Picasso-Fälschung als "echter Picasso" zu verkaufen, nur weil der K im Einzelfall auch für die Fälschung so viel ausgegeben hätte, weil er das Bild einfach generell geil findet. Ist es aber.

-- Editiert von TheSilence am 05.01.2016 11:48

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#7
 Von 
thormarcon
Status:
Beginner
(54 Beiträge, 8x hilfreich)

Zitat (von Droid):
Du wirfst hier mMn zu viel in einen Topf und vieles kann man auch kaum beantworten mit der dünnen Informationslage. Aber du könntest deinen alten Arbeitgeber ja einfach mal fragen...

Mein Ex-Boss wird mir doch nicht nach Jahren seine Geschäftsgeheimnisse anvertrauen ;-) Es könnte auch gut sein, dass ich ein paar Sachen in den falschen Hals gekriegt habe, doch bin ich mir sicher, dass alle selbst ersteigerten Einlieferungen unter einer merkwürdigen Adresse im firmeninternen System geführt wurden. Wozu könnte denn so eine Adresse dienen?
Zitat (von Droid):
Zur eBay Thematik wurde bereits alles gesagt, außer das ein Kauf im zweifel auch völlig problemlos abgebrochen werden kann und so keine Kosten für den Pusher/Verkäufer entstehen.

Eine Auktion kann nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt problemlos abgebrochen werden. Es muss ein Grund für den Abbruch angegeben werden (Angebot enthielt einen Fehler, Artikel wurde beschädigt o.ä.), den man als Höchstbietender sowieso nicht überprüfen kann, also sinnlos.
Zitat (von Droid):
Zumindest zivilrechtlich, strafrechtlich sind mir leider noch keine Konsequenzen in Deutschland bekannt.

Gehört das hier nicht zum Strafrecht?
http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/bgh-urteil-viii-zr-41-14-ebay-auktion-mindestgebot-abbruch-vertragschluss-schadensersatz/

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#8
 Von 
Droid
Status:
Schüler
(362 Beiträge, 239x hilfreich)

Ich sagte auch Kauf, nicht Auktion. Verkäufer bietet einfach mit zweitem Account auf eigene Auktion und sollte er zufällig seine Ware selbst ersteigern, bricht er danach die Transaktion ab um keine Gebühren zahlen zu müssen.



-- Editiert von Droid am 05.01.2016 15:05

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#9
 Von 
asd1971
Status:
Student
(2357 Beiträge, 645x hilfreich)

Zitat (von Droid):
Ich sagte auch Kauf, nicht Auktion. Verkäufer bietet einfach mit zweitem Account auf eigene Auktion und sollte er zufällig seine Ware selbst ersteigern, bricht er danach die Transaktion ab um keine Gebühren zahlen zu müssen.


-- Editiert von Droid am 05.01.2016 15:05



Was auch Betrug wäre, weil man in Ebay keine Zweitaccounts haben darf...Somit ist es für den normalen User betrug. Unabhängig davon: würde jemand wissen, dass der Käufer selbst mitbietet, würde keiner mitmachen.

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#10
 Von 
Droid
Status:
Schüler
(362 Beiträge, 239x hilfreich)

Zitat (von asd1971):
Was auch Betrug wäre, weil man in Ebay keine Zweitaccounts haben darf...

Falsch, es ist sogar explizit erlaubt beliebig viele Accounts zu haben.

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#11
 Von 
TheSilence
Status:
Lehrling
(1657 Beiträge, 899x hilfreich)

Zitat:
Falsch, es ist sogar explizit erlaubt beliebig viele Accounts zu haben.

Aber nicht, damit auf eigene Auktionen zu bieten.

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