Servier kündigt Entschädigungsfonds für Mediator-Patienten an
AFP VOM 10.2.2011 | Nachrichten - Allgemein | 1246 Aufrufe Mehr zum Thema:Medikament, Entschädigung
Hersteller von gefährlichem Medikament ab Freitag vor Gericht
Der französische Arzneimittelhersteller Servier richtet einen Entschädigungsfonds mit zunächst 20 Millionen Euro für die Opfer des Medikamentes Mediator ein. Servier tue dies "im Interesse der Patienten", ohne damit eine Verantwortung zu übernehmen, erklärte das Unternehmen am Donnerstag. Der Gründer des zweitgrößten französischen Pharmakonzerns, Jacques Servier, muss sich ab Freitag vor Gericht verantworten, weil durch das Diabetes-Medikament Mediator zwischen 500 und 2000 Menschen ums Leben gekommen sind. Knapp 200 Opfer beziehungsweise ihre Hinterbliebenen haben den Konzernchef verklagt.
Die französischen Behörden hatten Mediator 2009 aus dem Verkehr gezogen, nachdem seit 1976 rund fünf Millionen Menschen das Mittel eingenommen hatten. Viele von ihnen waren keine Diabetes-Kranken, sondern schluckten das appetithemmende Medikament zum Abnehmen. Die gefährlichen Nebenwirkungen von Mediator - vor allem Schädigungen der Herzklappen - waren schon lange bekannt, trotzdem war es noch jahrelang auf dem Markt: Berichten zufolge verhinderten zwei Berater des Gesundheitsministeriums, zu denen Servier enge Kontakte hielt, ein frühzeitigeres Verbot.
In Deutschland wurde das Medikament, das auch unter dem Namen Benfluorex vermarktet wurde, nie zugelassen; Italien und Spanien entzogen ihm 2005 die Zulassung. In Frankreich flog der Skandal dank einer Krankenhausärztin aus der bretonischen Stadt Brest auf. Ihr fielen Herz-Lungen-Probleme bei Patienten auf, die Mediator eingenommen hatten. Die Symptome erinnerten die Ärztin an den Appetitzügler Isomeride, der ebenfalls von Servier vermarktet worden war. Diesem Produkt wurde die Zulassung bereits 1997 entzogen.
10.02.2011 - 14:31 Uhr
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