Sicherheitsrat debattiert Organhandelsvorwürfe im Kosovo
AFP VOM 17.2.2011 | Nachrichten - Allgemein | 1604 Aufrufe Mehr zum Thema:Organshandel
Pristina feiert dritten Jahrestag der Unabhängigkeit
Serbiens Außenminister Vuk Jeremic hat vor dem UN-Sicherheitsrat eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe zu illegalem Organhandel im Kosovo während des Kriegs verlangt. Bei einer Sitzung des Gremiums begrüßte er zwar ein EU-Prüfverfahren, forderte jedoch weitergehende Ermittlungen. Im Kosovo wurde am Donnerstag der dritte Jahrestag der Unabhängigkeit des Landes von Serbien gefeiert.
"Um Gerechtigkeit herzustellen, sind vollständige und unabhängige strafrechtliche Ermittlungen erforderlich", sagte Jeremic in New York. Während des Kosovo-Kriegs habe die Kosovarische Befreiungsarmee UCK zahlreiche Zivilisten nach Albanien verschleppt, um sie zu foltern und zu töten. Damit die Vorwürfe aufgeklärt werden könnten, sollten zusätzlich zur Europäischen Union auch die Vereinten Nationen eine Untersuchung einleiten.
Der schweizerische Ex-Staatsanwalt Dick Marty hatte im Dezember einen Bericht zu den Vorwürfen vorgelegt. Darin hieß es, ehemalige UCK-Führer hätten in den Jahren 1998 bis 2000 Organe von Gefangenen entnehmen und auf dem internationalen Schwarzmarkt verkaufen lassen. Die Opfer waren demnach Serben oder Kosovaren. Zu den Beschuldigten zählt auch der amtierende kosovarische Ministerpräsident Hashim Thaci, der die Vorwürfe zurückweist.
Die kosovarische Außenministerin Vlora Citaku sagte vor dem Sicherheitsrat, Thacis amtierende Regierung sei "entsetzt" über die Vorwürfe. Diese hätten "bedauerlicherweise" das Ansehen des Kosovos verletzt. Die UN-Botschafter Großbritanniens und Frankreichs, Mark Lyall Grant und Gérard Araud, sagten in der Sitzung, dass die EU-Untersuchungen ausreichend und keine weiteren Ermittlungen nötig seien.
Im Kosovo sagte Übergangspräsident Jakup Krasniqi in einer vom Fernsehen übertragenen Ansprache zum dritten Jahrestag der Unabhängigkeit, das Land habe weiter "schwierige Aufgaben zur Stärkung der internationalen Glaubwürdigkeit" zu bewältigen. Innerhalb von drei Jahren sei aber "ein demokratisches System" mit einer "stabilen Wirtschaft und sozialer Entwicklung" entstanden. Es brauche dennoch weitere Anstrengungen, um "das Leben einfacher und besser" zu machen.
Das Kosovo hatte im Februar 2008 seine Unabhängigkeit erklärt. Rund 75 Länder, darunter auch Deutschland, erkannten die Souveränität des Landes seither an. Belgrad hingegen betrachtet das Kosovo noch immer als zu Serbien zugehörig. Das Kosovo ist mit einer Arbeitslosenquote von etwa 40 Prozent noch immer eines der ärmsten Gebiete in Europa.
17.02.2011 - 14:31 Uhr
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