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Deutscher Richter soll über festgenommenen Mladic urteilen
AFP VOM 30.5.2011 | Nachrichten - Allgemein | 2081 Aufrufe Mehr zum Thema:Mladic, Kriegsverbrecher, Völkermord
Überstellung Mladics nach Den Haag schon Anfang der Woche möglich
Ein deutscher Richter soll am UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien über den bosnisch-serbischen Ex-General Ratko Mladic urteilen. Der frühere Berliner Justizsstaatssekretär Christoph Flügge soll nach Angaben des Gerichts dem dreiköpfigen Richtergremium der Ersten Strafkammer vorsitzen, die den Fall verhandelt. Mladic soll womöglich schon Montag oder Dienstag nach Den Haag überstellt werden.
Neben Flügge betraute das UN-Tribunal den niederländischen Richter Alphons Orie und den Südafrikaner Bakone Moloto mit Mladics Fall. Der 64-jährige Flügge hatte Ende 2008 seine Arbeit am Tribunal aufgenommen. Seine Karriere hatte er im Jahr 1977 als Staatsanwalt in Berlin begonnen, wo er später als Strafrichter, Abteilungsleiter und Staatssekretär beim Justizsenator arbeitete.
Mladic war am Donnerstag in einem Dorf nördlich von Belgrad festgenommen worden. Der frühere Kommandeur der bosnischen Serben ist vor dem UN-Tribunal wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des bosnischen Bürgerkriegs der Jahre 1992 bis 1995 angeklagt. Er wird insbesondere für das Massaker an tausenden muslimischen Männern und Jungen in Srebrenica verantwortlich gemacht.
Die serbische Justiz genehmigte am Freitag Mladics Überstellung nach Den Haag. Mladics Anwalt kündigte allerdings an, am Montag Berufung gegen die Entscheidung einzulegen. Ein dreiköpfiges Richtergremium muss die Berufung anschließend prüfen, wofür maximal drei Tage angesetzt sind. Der amtierende Präsident des Tribunals, Mehmet Güney, sagte der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, Mladic könnte bereits "am Montag oder Dienstag" in Den Haag eintreffen. Entsprechend dem internationalen Recht werde er dann sofort vor einem Richter erscheinen. Der Prozess werde voraussichtlich eineinhalb bis zwei Jahre dauern.
Der Anwalt des Ex-Generals hatte zuvor erklärt, Mladic sei gesundheitlich nicht in der Lage, ausgeliefert zu werden. Mladics Ehefrau Bosilijka sagte am Sonntag der serbischen Zeitung "Vecernje Novosti", ihr Mann habe drei Schlaganfälle erlitten und seit 2008 kein Gefühl mehr in der rechten Körperhälfte. Mladics Sohn Darko hatte zuvor gesagt, er und seine Mutter seien überzeugt, dass sein Vater die Situation nicht überblicken könne und nicht prozessfähig sei.
Serbien kündigte unterdessen die Verfolgung von Mladics Fluchthelfern an. "Wir werden alle verfolgen, die Mladic und anderen Flüchtigen geholfen haben, der Justiz zu entkommen", sagte der serbische Staatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic, der Nachrichtenagentur AFP. Serbiens Präsident Boris Tadic sagte im französischen Fernsehsender France 24, die Festnahme Mladics sei wichtig für das Selbstbild Serbiens und solle in den EU-Beitrittsverhandlungen nicht als "Trumpfkarte" benutzt werden.
Innenminister Ivica Dacic verschärfte indes angesichts geplanter Proteste von radikalen Nationalisten gegen Mladics Verhaftung die Sicherheitsvorkehrungen in Belgrad. Es würden alle Maßnahmen getroffen, um eine Eskalation der Gewalt durch extremistische Gruppen bei für Sonntagabend angekündigten Demonstrationen zu verhindern, sagte Dacic. Mladic selbst rief seine Anhänger über seinen Anwalt zur Ruhe auf.
29.05.2011 - 13:01 Uhr
© AFP Agence France-Presse GmbH 2010
Seiten in diesem Artikel: Seite 1: Krawalle in Belgrad bei Protesten gegen Mladic-FestnahmeSeite 2: UN-Tribunal rechnet nicht mit Mladics Ankunft in Den Haag am MontagSeite 3: Mladic-Sohn: Ex-General hält sich für unschuldigSeite 4: Deutscher Richter soll über festgenommenen Mladic urteilenSeite 5: Verhafteter Mladic ruft Anhänger in Serbien über Anwalt zur Ruhe aufSeite 6: UN-Sicherheitsrat begrüßt Verhaftung von Ex-General Mladic
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