Tausende im Sudan protestieren gegen Teddy-Mohammed-Urteil
AFP VOM 29.11.2007 | Nachrichten - International | 1435 Aufrufe Mehr zum Thema:Teddy, Mohammed
15-tägige Haftstrafe für Britin als zu milde kritisiert
In der sudanesischen Hauptstadt Khartum haben tausende Menschen gegen das in ihren Augen zu milde Urteil gegen eine britische Lehrerin protestiert. Demonstranten, die sich nach den Freitagsgebeten an mehreren Moscheen der Hauptstadt sammelten, forderten eine Hinrichtung der 54-jährigen Gillian Gibbons. Ein Gericht hatte sie am Donnerstag zu 15 Tagen Haft und anschließender Ausweisung verurteilt, weil sie es zuließ, dass ihre Schüler einem Teddybären den Namen des islamischen Propheten Mohammed gaben. Das britische Außenministerium deutete an, sich für eine vorzeitige Haftentlassung der Lehrerin stark zu machen.
Zunächst sammelten sich hunderte Menschen an mehreren Moscheen, um mit Rufen wie "Hinrichtung, Hinrichtung" gegen die kurze Haftstrafe für Gibbons zu demonstrieren. Der Protestzug auf einer Hauptverkehrsstraße Khartums wuchs schnell auf mehrere tausend Demonstranten an. Dabei wurden Forderungen laut, "diejenigen, die den Propheten beleidigen, mit Kugeln zu bestrafen". Einige schwenkten Säbel und Messer. Die Demonstranten zogen an der christlichen britischen Schule vorbei, an der Gibbons unterrichtet hatte. Das Gelände wurde von Sicherheitskräften abgesperrt. Auch ein Vordringen von Demonstranten zur britischen Botschaft verhinderte die Polizei. Anschließend löste sich die Demonstration auf.
Eine Sprecherin des britischen Außenministeriums deutete an, dass sich London um eine frühere Haftentlassung der Lehrerin bemühe. "Wir suchen weiter nach einer raschen Lösung," sagte sie in London. Die britische Regierung stehe mit der sudanesischen Regierung in Kontakt. London hatte sich am Donnerstag "zutiefst enttäuscht" von dem Urteil gegen Gibbons gezeigt. Außenminister David Miliband bestellte in der Angelegenheit zweimal den sudanesischen Botschafter Omer Siddig ein. Ein Sprecher der sudanesischen Botschaft in London betonte, bei den Demonstranten habe es sich um Hardliner gehandelt, die nicht die Mehrheitsmeinung repräsentierten.
Das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, Rowan Williams, bezeichnete das Urteil gegen die Britin in einem Interview mit dem Sender BBC am Donnerstagabend als "absurd unverhältnismäßig". Es gebe "keinerlei Rechtfertigung" für die Gerichtsentscheidung.
Die aus Liverpool stammende Gibbons war am Mittwoch wegen "Beleidigung der Religion und Aufstachelung zum religiösen Hass" angeklagt worden. Ihr wurde zum Vorwurf gemacht, dass ihre sechs bis sieben Jahre alten Schüler mit ihrer Billigung einem Teddybären den in der muslimischen Welt weit verbreiteten Namen Mohammed gaben. Nach dem im Sudan geltenden islamischen Recht können Muslime für die Beleidigung des Propheten Mohammed mit dem Tod bestraft werden. Nicht-Muslimen drohen 40 Peitschenhiebe, bis zu sechs Monate Haft, eine Geldstrafe und die Ausweisung. Für gläubige Muslime bedeutet die bildliche Darstellung Mohammeds Gotteslästerung.
30. November 2007 - 17.09 Uhr
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