Wegen einer Serie brutaler Angriffe auf Passanten müssen sich drei Schweizer Schüler seit Montag vor dem Landgericht München I verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei 17-Jährigen versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Sie sollen vor rund acht Monaten aus purer Lust an der Gewalt während einer Klassenfahrt auf offener Straße fünf Menschen mit massiven Faustschlägen und Fußtritten teils schwer verletzt haben.
Der Angeklagte Mike B. habe zum Auftakt des Verfahrens angekündigt, sich zu den Vorwürfen zu äußern, teilte eine Gerichtssprecherin mit. Seine Aussage war für den Nachmittag geplant. Die anderen beiden Angeklagten, Ivan Z. und Benjamin D., wollten sich vorerst nicht äußern. Der Prozess vor der Jugendkammer findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Im Fall einer Verurteilung droht den Jugendlichen eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren.
Die Schüler sollen Anfang Juli 2009 in einem Park in der Münchner Innenstadt Alkohol getrunken und Marihuana geraucht haben. Anschließend waren sie laut Anklage umhergezogen und hatten auf dem Rückweg zu ihrer Unterkunft mehrere Menschen ohne erkennbaren Anlass brutal attackiert. Noch in dem Park griffen sie drei arbeitlose Männer im Alter von 43 bis 64 Jahren an. Eines der Opfer war körperbehindert. Kurz darauf schlugen sie auf einer Straße einen 46-jährigen Versicherungsmakler aus Nordrhein-Westfalen nieder und traten mit Füßen auf den am Boden Liegenden ein. Er erlitt schwere Kopfverletzungen. Als letztes griff das Trio einen bulgarischen Studenten an.
Laut Anklage gingen die Schüler einer Berufs- und Weiterbildungsschule aus Küsnacht im Kanton Zürich derart rücksichtslos vor, dass die Opfer zumindest in zwei Fällen hätten sterben können. Wegen der Brutalität klagte die Staatsanwaltschaft die Schüler wegen versuchten Mordes an. Ein Angeklagter sagte laut Staatsanwaltschaft nach der Festnahme, es sei darum gegangen, "ein bisschen Spaß zu haben".
Am Dienstag soll der Prozess voraussichtlich mit der Aussage eines vom Gericht eingesetzten Sachverständigen fortgesetzt werden. Auch die ersten Zeugen sollen vernommen werden, darunter die damals ermittelnden Polizisten und eventuell auch einige der Opfer. Das Verfahren soll insgesamt bis Mai dauern.
8. März 2010 - 16.19 Uhr
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