Schmiergeldvorwürfe gegen französischen Konzern Alstom Seite 1 - AFP vom 06.05.2008
Alstom-Logo (AFP)
Schmiergeldvorwürfe gegen französischen Alstom-Konzern
Siemens-Konkurrent soll Millionenbeträge gezahlt haben
Nach dem Schmiergeldskandal bei Siemens steht jetzt auch der französische Konkurrent Alstom unter Korruptionsverdacht. Die französische Justiz ermittelt nach eigenen Angaben vom Dienstag seit November wegen Schmiergeldern in dreifacher Millionenhöhe gegen das Unternehmen. Der Energie- und Transportkonzern soll im Ausland Beamte bestochen haben, um Aufträge zu ergattern. Alstom erklärte indes, es liefen keine juristischen Verfahren wegen Korruption. Unterdessen teilte der Konzern mit, er habe von der britischen Regierung einen Milliardenauftrag zur Lieferung und Wartung von Pendolino-Neigezügen erhalten. Alstom baut auch den Hochgeschwindigkeitszug TGV.
Alstom habe allein 6,8 Millionen Dollar (4,4 Millionen Euro) gezahlt, um den Zuschlag für den Ausbau der U-Bahn im brasilianischen São Paulo zu bekommen, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Ermittler. Zudem interessierten diese sich für "zweifelhafte Zahlungen" in Höhe von 200 Millionen Dollar, die Alstom zwischen 1995 und 2003 für Vorhaben in Brasilien, Venezuela, Singapur und Indonesien geleistet habe. Eine Schweizer Bank stehe seit 2004 im Verdacht, die Schmiergeldzahlungen für den Konzern abgewickelt zu haben. Die Justiz habe nach einem Hinweis der Schweizer Behörden zu ermitteln begonnen.
Ein Alstom-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Bericht beruhe "auf Annahmen und Spekulationen". Gegen das Unternehmen liefen "keinerlei juristische Verfahren wegen Korruption".
Unterdessen gab Alstom bekannt, der Konzern habe von der britischen Regierung den Zuschlag für die Lieferung von vier neuen Neigezügen vom Typ Pendolino bekommen. Der Auftrag habe ein Volumen von 1,8 Milliarden Euro. Der Vertrag über die Hochgeschwindigkeitszüge solle "bis August 2008" unterzeichnet werden. Er beinhalte auch eine Verlängerung des 2012 auslaufenden Wartungsvertrags für die auf der West Coast Main Line zwischen London und Glasgow fahrenden Pendolino-Züge um weitere zehn Jahre. Die vier neuen Züge sollen den Angaben zufolge von 2011 oder 2012 an rollen. Die von der privaten Virgin-Bahn betriebene Pendolino-Flotte umfasst dann 56 Züge.
Joß Haberkamm, Hannover beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Verkehrsrecht, Strafrecht, Miet und Pachtrecht und hat Interessensschwerpunkte: Vertragsrecht.
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