Schadenersatz aus der Beziehung Arzt/Patient

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Medizinrecht, Arztrecht Rubrik, Schadenersatz, Krankenhaushaftung, Behandlungsvertrag

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Fehlschlag einer Sterilisation

Beispiel:

Als verantwortungsbewusster Ehemann entschließen Sie sich, aufgrund Ihrer abgeschlossenen Familienplanung eine Sterilisation durchführen zu lassen. Der behandelnde Krankenhausarzt führt die Sterilisation im Wege einer Vasektomie (Durchtrennung der Samenleiter) durch. Ein halbes Jahr nach dem Eingriff wird bei Ihrer Frau eine Schwangerschaft festgestellt. Darüber sind Sie sehr verärgert, da der finanzielle Aufwand für ein weiteres Kind aufgrund Ihrer finanziellen Lage unmöglich erscheint.
Der Krankenhausarzt hat Sie nach der Sterilisation nicht darauf hingewiesen, dass nach vier Wochen ein Spermiogramm angefertigt werden muss, um den Erfolg der Sterilisation zu überprüfen. Wie ein Gutachter feststellt, führte der Eingriff nicht zu dem gewünschten Erfolg und die Zeugungsfähigkeit blieb erhalten. Ebenfalls erlitten Sie nach der OP erhebliche Schmerzen, die auf die mangelnde Wundversorgung zurückzuführen waren.

Sie können Schadenersatz verlangen

Bezüglich der Schmerzen durch die mangelnde Wundversorgung können Sie ein Schmerzensgeld von dem Arzt verlangen. Die mangelnde Wundversorgung stellt einen Behandlungsfehler da, denn es wurde unterlassen, eine ausreichende Wundversorgung sicherzustellen. Die dadurch erlittenen Schmerzen stellen eine Körper- und Gesundheitsverletzung dar und es kann ein angemessenes Schmerzensgeld verlangt werden.

Die Frage, ob Sie als Schadenersatz ebenfalls die Unterhaltskosten für das Kind geltend machen können, ist sehr umstritten und selbst die Rechtsprechung innerhalb des Bundesverfassungsgerichts ist uneinheitlich. Der Arzt hat zwar seine Aufklärungspflicht bezüglich der Durchführung eines Spermiogramms verletzt. Der 2. Senat des BVG lehnt jedoch einen Schadenersatzanspruch deshalb ab, da das Kind keinen Schaden darstellen könne und sein Dasein als Schadensquelle nicht mit der Verfassung in Einklang zu bringen sei. Das Kind würde hierbei als Objekt gewertet. (BVG- Urteil vom 28.5.1993 AZ: 2BvR 2/90)
Der 1. Senat des Bundesverfassungsgerichts geht einen anderen Weg und lässt einen Schadenersatzanspruch in Form von Unterhaltszahlungen entstehen. Dieser argumentiert, dass nicht das Kind der Schaden sei, sondern vielmehr ein Schaden durch die Belastung mit dem zusätzlichen Unterhalt entstehe. (BVG-Urteil vom 12.11.1997 AZ: 1BvR 479/92)

Wie sich die Rechtsprechung in diesem Bereich entwickelt und ob es weiterhin unterschiedliche Urteile des obersten deutschen Gerichts geben wird bleibt abzuwarten. Nach der aktuelleren Entscheidung des 1. Senats sind momentan Unterhaltszahlungen als Schadenersatz möglich.

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Schadenersatz aus Vertrag - Was ist zu beachten
Seite  2:  Schadenersatz aus unerlaubter Handlung
Seite  3:  Voraussetzung: Zurechenbare und schuldhaft fehlerhafte Behandlung
Seite  4:  Die Einwilligung
Seite  5:  Beweislast
Seite  6:  Fehlschlag einer Sterilisation
Seite  7:  Krankenhaushaftung für Behandlungsfehler
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