Schadenersatz Arzt gegen Patient wegen Nichteinhaltung eines Termins

Mehr zum Thema:

Medizinrecht, Arztrecht Rubrik, Arzt, Arzttermin, Behandlungsvertrag

0 von 5 Sterne
Bewerten mit: 5 Sterne 4 Sterne 3 Sterne 2 Sterne 1 Stern
0

Versäumnis eines umfangreichen OP-Termins

Beispiel:

Aufgrund Ihrer Knieschmerzen sehen Sie sich gezwungen, einen ambulanten Chirurg aufzusuchen. Dieser stellt fest, dass Sie ein neues Kniegelenk brauchen. Aufgrund Ihrer eingeschränkten Möglichkeiten im sportlichen Bereich wird einer Operation zugestimmt und ein Termin vereinbart. Da diese Operation umfangreicherer Natur ist, muss ein ganzer Vormittag dafür eingeplant werden. Kurz vor dem Termin geht es Ihrem Knie wieder etwas besser. Dies und die Angst vor der Operation bringt Sie dazu, den Termin nicht wahrzunehmen. Aus Angst vor unangenehmen Nachfragen sagen Sie die Operation auch nicht vorher ab.
Als Sie nicht zum vereinbarten Termin erscheinen, ist der Chirurg sehr ungehalten, da der OP für diese Zeit freigehalten wurde. Eine Operation eines anderen Patienten scheidet ebenfalls aus, da die OP sehr umfangreich gewesen wäre und deshalb alle anderen Termine für den Vormittag gestrichen wurden. Verwaltungsarbeiten, die der Chirurg in dieser Zeit machen könnte, kommen ebenfalls nicht in Betracht, da bereits alles erledigt wurde.

Sie sind schadenersatzpflichtig

Der Chirurg hat für Sie eine umfangreiche Operation vorbereitet und dafür den ganzen Vormittag eingeplant. Sie sind Ihrer Verpflichtung aus dem Behandlungsvertrag nicht nachgekommen, in dem Sie den Termin nicht abgesagt haben: Der Behandlungsvertrag zwischen Ihnen und dem Arzt blieb bestehen, der Arzt hat alle erforderlichen Vorbereitungen getroffen, Sie aber haben Ihre Verpflichtung aus dem Vertrag nicht eingehalten. Sie haben sich somit aus dem Behandlungsvertrag schadenersatzpflichtig gemacht.

Ihr Nichterscheinen zu dem vereinbarten Termin ist auch nicht gerechtfertigt, da Sie hierfür keine plausiblen Gründe hatten. Angst und leichte Besserung können hierfür nicht angeführt werden.
Der Arzt konnte seinen Schaden auch nicht kompensieren, in dem er einen anderen Patienten operiert hat, da aufgrund der umfangreichen Operation alle weiteren Termine abgesagt worden.
Zu ersetzen ist allerdings nicht der erwartete Gewinn der Operation, sondern nur der Wert einer Praxisstunde. Da für die Operation mehrere Stunden veranschlagt wurden, kann der zu zahlende Schadenersatz hier leicht über 500 Euro betragen.

234
Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Die Nichteinhaltung eines Arzttermins
Seite  2:  Schadenersatz für eine ´hypothetische Praxisstunde´
Seite  3:  Versäumnis eines Termins für eine Impfung
Seite  4:  Versäumnis eines umfangreichen OP-Termins