Sauerland-Angeklagte zu fünf bis zwölf Jahren Haft verurteilt
AFP VOM 4.3.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 1131 Aufrufe Mehr zum Thema:Sauerland-Zelle, Terror
Richter: Islamisten planten "ungeheures Blutbad" mit vielen Toten
Die Sauerland-Terroristen müssen wegen ihrer Anschlagspläne auf US-amerikanische Ziele in Deutschland für lange Jahre hinter Gitter. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilte die deutschen Konvertiten Daniel Schneider und Fritz Gelowicz am Donnerstag zu je zwölf Jahren Haft, den Türken Adem Yilmaz zu elf Jahren und den Deutsch-Türken Atilla Selek als Helfer zu fünf Jahren Haft. Laut Gericht hatten sie ein "ungeheures Blutbad" geplant.
Die Islamisten im Alter zwischen 24 und 31 Jahren hatten während des gut zehnmonatigen Prozesses gestanden, im Auftrag der Terrorgruppe Islamische Dschihad-Union Autobombenanschläge auf US-Bürger und US-Einrichtungen vorbereitet zu haben. Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling wertete die Hauptverhandlung als Beleg, dass sich "verblendete Extremisten" offenbar ohne auch nur oberflächliche Kenntnis der islamischen Religion die Rolle von "Todesengeln im Namen des Islam" anmaßten.
Die Angeklagten nahmen das Urteil ohne erkennbare Gefühlsregung auf. Schneider, Yilmaz und Selek akzeptierten den Richterspruch noch im Gerichtssaal, Gelowicz äußerte sich zunächst nicht zu einer möglichen Revision. Der Terrorismussenat blieb mit seinem Urteil knapp unter der Strafmaßforderung der Anklage, die zwischen 13 und fünfeinhalb Jahre Haft beantragt hatte. Die Bundesanwaltschaft zeigte sich zufrieden mit dem Urteil.
Als strafmildernd wertete das Gericht nach 65 Verhandlungstagen die detaillierten Geständnisse, die die Angeklagten nach anfänglichem Schweigen abgelegt hatten. Breidling sprach in diesem Zusammenhang von einem "außergewöhnlich breiten und tiefen Einblick", den das Gericht in die Abläufe des islamistischen Terrorismus erhalten habe.
Gleichwohl riefen die Anschlagspläne "Erinnerungen an die Anschläge von London und Madrid wach", sagte Breidling. Anschläge solchen Ausmaßes habe es "in Deutschland noch nie gegeben und auch nicht die Verabredung zu einem solchen Anschlag". Hätten die Angeklagten ihren Plan ausgeführt, "so hätte es ein ungeheures Blutbad gegeben mit einer unübersehbaren Vielzahl von Toten und Verletzten". Die Anschlagsgefahr sei "glücklicherweise von den Ermittlungsbehörden gebannt" worden. Gelowicz, Schneider und Yilmaz waren nach monatelanger Observierung am 4. September 2007 in einem Ferienhaus im sauerländischen Medebach-Oberschledorn beim Bombenbau festgenommen worden, Selek wurde später in der Türkei verhaftet.
Breidling unterstrich, der Prozess habe "mit erschreckender Deutlichkeit gezeigt, zu welchen Taten hasserfüllte, verblendete und von verqueren Dschihad-Ideen verführte junge Menschen bereit und in der Lage sind". Der weltweite islamistische Terrorismus als "Geißel unserer Zeit" greife weiter um sich und erfasse inzwischen auch junge Menschen aus westlichen Kulturen.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) begrüßt den Richterspruch. "Das Urteil zeigt, dass die deutsche Justiz fest entschlossen ist, gegen Terroristen hart und kompromisslos vorzugehen", sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt der Online-Ausgabe der "Bild"-Zeitung. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, forderte im "Hamburger Abendblatt" vom Freitag eine stärkere Verfolgung von Hasspredigern. Da Hassprediger bei der Radikalisierung junger Muslime in Deutschland eine zentrale Rolle spielten, müsse ihnen "das Handwerk gelegt werden".
4. März 2010 - 15.47 Uhr
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