Russische Ermittler durchsuchen Büros der Deutschen Bank in Moskau
AFP VOM 2.2.2011 | Nachrichten - Allgemein | 622 Aufrufe Mehr zum Thema:Deutsche Bank
Geschäftsmann soll Millionen aus Kredit abgezweigt haben
Russische Ermittler haben am Mittwoch Büros der Deutschen Bank in Moskau durchsucht. Sie sind einer Unterschlagung in Millionenhöhe beim Wiederaufbau des berühmten Hotels Moskva auf der Spur, wie die Behörden mitteilten. Die Deutsche Bank hatte demnach einer an dem Bau beteiligten Firma einen Kredit gegeben, die Ermittlungen richten sich offenbar nicht gegen das Institut selbst.
Ermittler und Polizisten des Innenministeriums durchsuchten Räume der Deutschen Bank, wie die Behörden mitteilten. Die Ermittler äußerten sich aber nicht zur Rolle des Geldinstituts in dem Fall. Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main bestätigte die Durchsuchungen. Ein Sprecher betonte aber, "die Ermittlungen richten sich ausschließlich gegen einen Klienten der Bank, nicht gegen die Bank selbst". Andere Geschäfte und Kunden des Instituts in Moskau seien "nicht davon betroffen".
Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete, die Bank habe sich geweigert, von den Ermittlern angeforderte Papiere herauszugeben. Der Banksprecher in Frankfurt betonte aber, das Finanzinstitut arbeite "selbstverständlich mit den Behörden zusammen".
Der Wiederaufbau des Hotels Moskva ist eines der umstrittenen Großprojekte in der russischen Hauptstadt, das in der Amtszeit des ebenso umstrittenen und mittlerweile geschassten Bürgermeisters Juri Luschkow begonnen wurde. Das Hotel mitten im Zentrum - ein Prachtstück der stalinistischen Architektur in der Nähe des Roten Platzes, des Bolschoi-Theaters und der Duma - war 2003 abgerissen worden. Der Wiederaufbau an der gleichen Stelle und mit identischer Fassade sollte eigentlich 2008 abgeschlossen sein, ist aber immer noch im Gange. Die Kosten waren damals auf 800 Millionen Dollar veranschlagt worden, die Deutsche Bank gab einen Kredit in Höhe von 600 Millionen Dollar.
Aus diesen Mitteln soll nun laut Ermittlern der Geschäftsmann Vitali Gogochija 87,5 Millionen Dollar (63,6 Millionen Euro) veruntreut haben. Gogochija war Berater des Parlamentsabgeordneten Aschot Egiasarjan und ist auf der Flucht. Egiasarjan selbst ist flüchtig. Auch gegen ihn wird seit längerem wegen Betrugs ermittelt, seit November genießt er keine parlamentarische Immunität mehr. Er beteuerte stets seine Unschuld. Russischen Medienberichten zufolge ist Egiasarjan an dem Hotel beteiligt. Er habe sich aber mit seinen Geschäftspartnern - unter anderem ein Abgeordneter des Oberhauses sowie ein einflussreicher Geschäftsmann - über die Höhe seines Anteils gestritten.
02.02.2011 - 18:01 Uhr


