Russian Scammer. Ratgeber in Sachen Liebe im und aus dem Internet

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Das Internet bietet ungeahnte Möglichkeiten. Wer hätte das noch vor wenigen Jahren gedacht? Insbesondere wenn es um die Liebe geht. Überall im Internet wird gechattet und geflirtet, was das Zeug hält.

Schnell wird sich in der Mittagspause vom Bürorechner aus mal eben mit einem Fremden ausgetauscht.

So musste man sich vor Jahren noch auf der Suche nach Bekanntschaften persönlich um die anvisierte Dame (oder den Herrn) bemühen. Auf der Straße. In der Discothek. Oder es musste eine Annonce in der lokalen Tageszeitung geschaltet werden. Die Älteren werden sich sicher noch an Veranstaltungen wie den „Tanz-Tee“ erinnern.

Heute geht das anders. Nicht nur im Fernsehen gibt es Kennenlernshows. Im Internet gibt es zahllose mehr oder weniger kostenpflichtige Seiten, auf denen man den Traumpartner oder Partner für was auch immer kennenlernen kann. Erstaunlich wie viele Menschen männlichen und weiblichen Geschlechts hier persönliche Dinge preisgeben, die sie im „richtigen Leben“ niemals von sich geben würden.

Warum ist das so?

Nun, das müssen die Psychologen beantworten. Ich persönlich denke, es liegt an der vermeintlichen Sicherheit, die hinter dem Bildschirm verspürt wird: „Es sieht mich ja keiner!“ Aber weit gefehlt. Was ins Internet gestellt wird, kann im Zweifel überall auf der Welt gesehen werden. Und es kann für verschiedenste Zwecke gebraucht und missbraucht werden. Bestenfalls lernen Sie über das Internet Ihre eigene Frau (wieder) kennen, die genauso wie Sie Dynamik in den Liebesalltag bringen will.

Die sog. „Phishing“-Problematik kennen Sie. Windige Personen versuchen, an Ihre Online-Banking-Daten zu kommen, um Ihr Konto leerzuräumen.

Die neueste Masche ist SCAMMING!

Beim Surfen über Chat-, Flirt- und auch andere im übrigen nicht zu beanstandende Internet-Seiten erhalten Sie fast wie zufällig eine nette Email von einer Dame, die auf dem anhängenden Bild recht - um nicht zu sagen - äußerst attraktiv aussieht. Es kommt zu immer intensiverem Emailverkehr. Meistens wird recht schnell gebeten, den Chatraum zu verlassen und sich nach dem Austausch der Adresse sich Emails direkt zu schreiben.

Nun werden Sie vielleicht ahnen, was kommt: Mir nichts Dir nichts kommen Emails immer persönlicheren Inhalts. Nebst schier unglaublich hübschen Fotos im Anhang werden Liebesbeteuerungen immer weiter gesteigert. Selbstverständlich befinden sich die Damen am anderen Ende der Emailleitung im Ausland, oftmals in Staaten der ehemaligen Sowjetrepubliken. So gern – heißt es dann - würde man eine Reise zu der Liebe des Lebens, die man über das Internet kennen gelernt hat, nach Deutschland tätigen.

Da wird berichtet, man habe das Passamt, das Konsulat und das Reisebüro aufgesucht. Wären da nur nicht die hohen Kosten. „Hach.. .“

Sie schlagen sicher schon die Hände über dem Kopf zusammen. Aber was tut jetzt das liebeskranke Scamming-Opfer, um die Dame des Herzens endlich kennenzulernen und in die Arme schließen zu können? Er überweist den „angeforderten“ Betrag per Western Union nach Omsk oder wohin auch immer. Und hört danach nie wieder etwas von der Dame. Von der nicht einmal bekannt wird, ob sie eine solche ist.

Die versendeten Fotos von der vermeintlichen Herzdame sind in den allermeisten Fällen „gestohlene“ Aufnahmen von Fotomodellen, die einfach im Internet heruntergezogen werden. Die auf den Fotos abgebildeten Damen wissen gar nichts von ihren „Bekanntschaften“.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Es geht mir nicht darum, den moralischen Zeigefinger zu erheben. Sie sollten aber wissen, wenn Sie sich im Internet auf jemanden – egal in welchem Zusammenhang – einlassen: Sie wissen nie, mit wem Sie es zu tun haben. Die Machenschaften der Internet-Betrüger werden immer dreister.

Setzen Sie ins Internet nur die Dinge über sich, die Sie auch einem wildfremden Menschen auf der Straße erzählen würden. Und zeigen Sie von sich nur Fotos, die Sie bedenkenlos Fremden zeigen würden. Manch ein Arbeitgeber soll im Fall einer Bewerbung schon gegooglet haben und traf hierbei im Internet auf „alte Bekannte“ in – ich sage mal – ungewöhnlichen Posen. Die Auswirkungen auf die Entscheidung, den Kandidaten einzustellen bzw. gerade nicht, können Sie sich vorstellen.

Das Internet ist ein riesiger Raum geworden, in dem bereits Unmengen an Müll herumschwirren. Einmal losgelassen, können Sie die aus einer Laune heraus irgendwo eingestellten Bilder von der feuchtfröhlichen Weihnachtsfeier kaum je wieder einfangen.

Wenn Sie Ihre Internetbekanntschaft unbedingt näher kennenlernen wollen ein Tipp: „Googlen“ Sie den Namen Ihrer Bekanntschaft bzw. deren Emailadresse.
Scammer schreiben nicht nur Ihnen, sondern arbeiten mit Massensendungen. Oftmals landen Sie sogleich auf Anti-Scammer-Foren, auf denen vor der betreffenden Frau bereits gewarnt wird. Sonst erkennen Sie es auch an den Emails, deren Inhalt wenig auf Ihren Text Bezug nimmt, weil es eben eine Massenemail ist, die noch für andere Opfer herhalten muss.

Verdächtig erscheinen sollte Ihnen auch der allzu schnell geäußerte Wunsch einer Internetbekanntschaft, doch bitte auf einer 0900-Nummer rasch anzurufen, damit man sich ausgiebig unterhalten könnte. Eine ehrlich gemeinte Bekanntschaft wird kaum 0900-Nummern angeben, für die der Anrufer 1,99 € und mehr pro Minute zahlen muss. Wer entgeltlichen Telefonsex betreiben möchte, muss wissen, was er für welches Geld tut. Die Telefonrechnung kann unter Verwendung dieser Vorwahlnummern leicht ins Uferlose ansteigen. Die Gerichte entscheiden ungern zugunsten eines Verwenders von kostenpflichtigen 0900-Nummern, deren Verwendung ins Zügellose geraten ist. Späte Reue nützt da nichts.

Begraben Sie in diesen Fällen lieber die Hoffnung auf die Bekanntschaft aus dem Internet. Gehen Sie lieber raus und sprechen die Dame (oder den Herrn) direkt an. Das hat den Nachteil, sich sogleich zeigen zu müssen. Aber Sie wissen auch sogleich, woran Sie sind.

Sind Sie erst einmal einem Scammer auf den Leim gegangen und haben Geld nach Osteuropa oder sonstwo hin ins Ausland überwiesen, kann Ihnen auch der beste Anwalt kaum noch helfen. Überweisungen z. B. mit Western Union werden mit einer bestimmten Nummer in bar abgeholt und Sie haben fast keine Möglichkeit überhaupt zu erfahren, wer der Abholer war, geschweige denn die Person zu fassen zu kriegen.

In derartigen Fällen hilft nur Prävention.

Es gibt natürlich viele weitere Konstellationen, auf die aber in diesem Forum nicht eingegangen werden kann. Im Zweifel: Fragen Sie Ihren Anwalt.

Rechtsanwalt Alexis Brudermann

Speyer, den 16.07.2008

Leserkommentare
von Lowinski am 10.07.2011 23:07:52# 1
Bei dieser ganzen Scammerei bleibt immer die offene Frage, woher kriegen diese Leute die ganzen Emaills her? Es ist sehr schade dass man mit fremden Gefühlen so umgeht.Ich bekomme auch manchmal solche Briefe mit echt sehr hübschen Bildern.Und für mich stellt sich erstnmals die Frage woher haben die meine Emailladresse immer her. Solche Emaills zu beantworten ist Zeitverschwendung.Die andere Frage ist ja auch, obwohl es durch Medien und Internet bekannt ist, dass es in dieser Thematik um Fakes und Betrug geht und es viele wissen, lauft das Geschäft weiter. Ist es so lukrativ? MfG