Röttgen fordert Absage von Politiker-Besuchen bei EM in Ukraine
AFP VOM 29.4.2012 | Nachrichten - Allgemein | 690 Aufrufe Mehr zum Thema:Röttgen, Ukraine, Boykott, Europameisterschaft
Entwicklungs-Staatssekretärin Kopp verlangt Verlegung der Spiele
Angesichts der Haftbedingungen für die ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko hat sich Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) gegen Politiker-Besuche bei der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine ausgesprochen. Es müsse "unbedingt verhindert werden, dass das ukrainische Regime die EM zur Aufwertung ihrer Diktatur nutzt", sagte Röttgen der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe). "Deshalb finde ich, dass Besuche von Ministern und Ministerpräsidenten zur EM nach jetzigem Stand nicht in Frage kommen". Er forderte die ukrainische Regieruhng auf, Timoschenko sofort aus dem Gefängnis freizulassen.
Entwicklungsstaatssekretärin Gudrun Kopp (FDP) rief sogar zu einem sportlichen Boykott der EM in der Ukraine auf. "Ich plädiere für die Verlegung der Spiele", sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesentwicklungsministerium dem Bielefelder "Westfalen-Blatt". Es solle geprüft werden, ob alle Spiele in Polen oder in Polen und einem anderen Land ausgetragen werden könnten. "Noch ist Zeit dafür", sagte Kopp der Zeitung.
"Wer Menschenrechte permanent verletzt, muss mit den Folgen leben", sagte die FDP-Politikerin zur Begründung. Auch die Sportler dürften sich nicht neutral verhalten. Regierung, Bundestag, Sportler und Sportfunktionäre müsssten gemeinsam "aufstehen gegen diese Menschenrechtsverletzungen."
Der CDU-Politiker Ruprecht Polenz stellte sich hinter die Ukraine-Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Zu einem "Spiegel"-Bericht, wonach die Bundesregierung einen Boykott der EM-Spiele in der Ukraine erwägt, sagte Polenz dem "Tagesspiegel", er hoffe, dass das "starke Signal" der Bundesregierung "in der Ukraine verstanden wird". Polenz, der Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag ist, rechnet zudem mit weiteren Absagen: "Ich rechne damit, dass viele Staatschefs und Politiker zwar in Danzig und Warschau auf der Tribüne sitzen werden, nicht aber an den ukrainischen Austragungsorten."
Timoschenko, die an Bandscheibenproblemen leidet, verbüßt in einem Gefängnis im Osten der Ukraine eine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs. Die EU kritisiert die Inhaftierung der Ex-Regierungschefin als politisch motiviert. Timoschenko protestiert mit einem Hungerstreik gegen ihre Haftbedingungen und wirft den Behörden Misshandlung vor. Die EM beginnt in sechs Wochen. In der Ukraine sind 16 Partien geplant, darunter das Endspiel am 1. Juli in Kiew.
29.04.2012 - 17:00 Uhr
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