Robbe: Exzesse bei Bundeswehr-Soldaten dem Gruppenzwang geschuldet
AFP VOM 11.2.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 1077 Aufrufe Mehr zum Thema:Bundeswehr, Misshandlung
Wehrbeauftragter sieht keinen Zusammenhang zu Auslandseinsätzen
Die Misshandlungen von Bundeswehrsoldaten bei entwürdigenden Ritualen sind nach Auffassung des Wehrbeauftragten Reinhold Robbe (SPD) dem Gruppenzwang geschuldet. "Es ist das Gefühl einer Elite zugehörig zu sein, wie zum Beispiel bei den Gebirgsjägern", sagte Robbe am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin mit Blick auf das Bataillon im oberbayerischen Mittenwald, in dem sich die zuletzt bekannt gewordenen Misshandlungsfälle abspielten. Elitesoldaten wie etwa Fallschirmjäger und Kampfschwimmer verfügten über herausragende Fähigkeiten und entwickelten deshalb oft ein elitäres Bewusstsein, sagte Robbe.
Ein Soldat des Gebirgsjäger-Bataillons 233 in Mittenwald hatte sich bei Robbe über entwürdigende Mutproben und Aufnahmerituale beklagt. Demnach mussten Soldaten bis zum Erbrechen Alkohol trinken und rohe Schweineleber essen, um in einer internen Hierarchie aufsteigen zu können. Robbe sagte im ZDF, einen Zusammenhang zwischen den Vorkommnissen und den häufigeren Auslands- und Kampfeinsätzen der Bundeswehr sehe er nicht. Eher sei es Nichtwissen um die ethischen Grundlagen des Soldatenberufes, das dazu führe, "dass so etwas vorkommen kann". Er forderte eine besssere Aufklärung der Soldaten: Ihnen müsse klargemacht werden, dass bei diesen Ritualen auch Menschen zu Tode kommen könnten.
Robbe bekräftigte seine Forderung nach lückenloser Aufklärung. Er hob erneut hervor, dass sich die Vorfälle in der Mittenwalder Einheit über Jahrzehnte hochgeschaukelt hätten. Bei dem Bataillon hatte auch Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) seinen Grundwehrdienst abgeleistet. Von den bekannt gewordenen erniedrigenden Praktiken habe er seinerzeit keine Kenntnis gehabt, sagte Guttenberg in einem Interview.
11. Februar 2010 - 11.23 Uhr
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