Die rechtsextreme elsässische Vereinigung "Solidarité Alsacienne" ("Elsass Solidarität") hat offenbar unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ihre in Straßburg verbotene Ausgabe von Suppe mit Schweinefleisch auf die deutsche Rheinseite verlegt. Wie ein Sprecher der Polizei im badischen Grenzort Kehl am Montag bestätigte, verteilte die Gruppe am Samstag vor dem dortigen Bahnhof ihre Suppe. Weder die Polizei noch die Stadt Kehl hätten dies ausdrücklich genehmigt. In Straßburg war die Aktion verboten worden, weil sie de facto bedürftige Moslems und Juden ausschließt, deren Religion den Verzehr von Schweinefleisch verbietet.
"Wir wurden regelrecht über den Tisch gezogen", sagte Christine Krieg von der Kehler Bahnhofsmission, die bei der Suppenausgabe anwesend war. Die Veranstalter hätten sich als eine Art "Heilsarmee" ausgegeben, die sich für Arme und Bedürftigte einsetzt. An der Aktion hätten sich rund 20 Menschen beteiligt. "Die sagten uns, die französischen Obdachlosen wollten gerne mit deutschen Bedürftigen reden". Die Gruppe habe sogar einen Fotografen und einen Kameramann mitgebracht.
Die Initiatorin Chantal Spieler, Ehefrau eines Gründungsmitglieds der rechtsextremen Partei "Alsace d'abord" ("Das Elsass zuerst"), verkündete in einer Mitteilung an die Presse, ihre Vereinigung habe in Deutschland "politisches Asyl" erhalten. Mit der Ausgabe der Schweinefleisch-Suppe solle die "elsässische, französische und europäische Identität" verteidigt werden.
Die Präfektur reagierte damit auf heftige Proteste von Menschenrechtsorganisationen. Sollte "Solidarité Alsacienne" einen neuen Anlauf machen, werde auch die Polizei in Kehl die Suppenausgabe verhindern, versicherte ein Sprecher. Fremdenfeindlichen Aktionen werde "im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten" grundsätzlich eine Absage erteilt.
6. März 2006 - 17.03 Uhr
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